Botswana – Okavango-Delta
Der Grenzübertritt von Simbabwe nach Botswana gestaltete sich zur Abwechslung einmal recht einfach. Keine Visaformalitäten, lediglich ein kurzes Formular ausfüllen und das war’s.

In Botswana angekommen, machten wir uns in Kazungula auf die Suche nach einer Unterkunft. Doch irgendwie wollte es nicht so richtig klappen. Mal gefiel uns die Lodge nicht, mal gab es nichts zu essen oder keine Möglichkeit, selbst etwas zu kochen. Schlussendlich landeten wir in einem eher unscheinbaren Guesthouse.
Die ältere Besitzerin öffnete uns erst nach etwas längerer Zeit die Tür, denn sie war gerade dabei, einer Schülerin Mathematiknachhilfe zu geben. Sie zeigte uns die beiden verfügbaren Zimmer und war dabei so herzlich und freundlich, dass wir ohne großes Zögern zusagten. Vermutlich war diese Entscheidung auch ein wenig unserer inzwischen ziemlich langen Suche geschuldet, aber wir sollten es nicht bereuen.
Als Erstes sollten wir unsere Fahrräder in die Garage stellen. Aus dem von einer Mauer umgebenen Grundstück könnte ja jemand etwas stehlen, meinte sie. Danach bot sie uns ihre Küche an, damit wir uns selbst ein Abendessen zubereiten konnten. Bis dahin sollten wir es uns auf dem Sofa im Wohnzimmer gemütlich machen.
Doch damit nicht genug. Statt unsere Radkleidung wie üblich von Hand zu waschen, wurde kurzerhand alles in die Waschmaschine gestopft und anschließend zum Trocknen aufgehängt. Am nächsten Morgen gab es ein leckeres Frühstück und damit wir auf dem langen Weg nicht verhungern, packte sie uns zusätzlich noch sechs hartgekochte Eier ein.
Und dann war da noch die eindringliche Bitte, dass wir uns am Abend unbedingt per Nachricht melden sollten. Schließlich waren wir jetzt im Land der wilden Tiere unterwegs.
Damit hatte die Besitzerin tatsächlich nicht ganz Unrecht. Kaum hatten wir Kazungula verlassen, begegneten uns schon die ersten Affen. Die sind allerdings ziemlich scheu und verschwinden bei unserer Annäherung schnell im Unterholz.

Gegen Mittag trafen wir dann auf die ersten Elefanten. Solange sie weit genug von der Straße und damit auch von uns entfernt sind, stellen sie normalerweise keine Gefahr dar. Anders sieht es allerdings aus, wenn z.B. eine ganze Herde beschließt, die Straße zu überqueren.
Dann heißt es vor allem: Abstand halten und warten. Und zwar so lange, bis wirklich sicher ist, dass die Elefanten sich durch uns nicht gestört oder gar bedrängt fühlen.

Unser nächstes Etappenziel war die Elephantsands Lodge. Elefanten sahen wir dort allerdings keine, denn die hatten wir, zusammen mit einigen Warzenschweinen, bereits den ganzen Tag über auf der Fahrt dorthin gesehen.

Danach ging es weiter über Nata nach Phuduhudu. Hier machten wir eigentlich nur Station, weil für den nächsten Morgen deutlich bessere Windverhältnisse angesagt waren. Unser Zelt schlugen wir auf dem Gelände des VDC, des Village Development Committee, auf. Solche Einrichtungen soll es wohl in fast jedem Ort in Botswana geben.

Eine freundliche Mitarbeiterin fragte uns, ob wir am Abend etwas zu essen haben wollten. Was für eine Frage, natürlich wollten wir! Gegen 19 Uhr wurden wir von der Schwester der Mitarbeiterin abgeholt und zum Haus der Leiterin des VDC gebracht. Dort hatten die beiden bereits für uns gekocht und wir ließen es uns schmecken.
Anschließend entwickelte sich ein sehr interessantes Gespräch über das VDC und das Dorf. In Phuduhudu leben überwiegend Menschen, die der Ethnie der San zugeordnet werden. Die San lebten bis vor wenigen Jahren als Jäger und Sammler im Busch und wurden von der Regierung in dem Ort angesiedelt.
Dieser Wandel brachte natürlich jede Menge Herausforderungen mit sich. Es muss Geld verdient und Arbeit gefunden werden, während viele der traditionellen Lebensweisen nicht mehr möglich sind. Gleichzeitig gibt es auch positive Entwicklungen. Die Kinder müssen zur Schule gehen und haben dadurch die Möglichkeit, später einen höheren Schulabschluss zu erreichen.
Nach diesem interessanten Austausch und einer wirklich anregenden Unterhaltung wurden wir von den beiden Schwestern wieder zu unserem Zelt gebracht. Wir waren nicht nur satt, sondern auch um einige interessante Einblicke in das Leben im Dorf und die Arbeit des VDC schlauer.
Unser nächstes Etappenziel hieß Maun, ausgesprochen übrigens „Ma-Un“, eine Stadt am Rand des Okavango-Deltas. Von hier aus wollten wir noch einmal einen Game Drive unternehmen, um vornehmlich die noch vielfältigere Tierwelt dort kennenzulernen.

Allerdings gab es ein Problem: Der Wasserstand des Okavango war sehr hoch und viele Straßen im Delta waren überflutet. Nichtsdestotrotz machten wir uns morgens um fünf Uhr auf den Weg. Es sollte ein sehr langer Tag werden. Die Fahrt war extrem „bumpy“, was so viel bedeutet wie: Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Zwischendurch fragten wir uns schon, ob wohl unser Rücken oder das Fahrzeug zuerst aufgeben würde.
Interessant war, dass uns deutlich weniger Fahrzeuge begegneten als zuvor im Chobe-Nationalpark oder im Etosha-Nationalpark. Auch die Tiere schienen hier etwas scheuer zu sein und hielten mehr Abstand. Leoparden und Löwen bekamen wir leider nicht zu Gesicht. Ansonsten konnten wir aber wieder ein beeindruckendes Spektrum an Tieren beobachten. Von großen Herden bis zu kleineren Bewohnern des Deltas war so ziemlich alles dabei. Nach zwölf Stunden kehrten wir schließlich nach Maun zurück. Gut durchgerüttelt, ziemlich müde, aber mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck.
Am nächsten Morgen ging es weiter in Richtung Namibia. Und dabei erlebten wir mal wieder eine dieser schönen kleinen Anekdoten, die unterwegs einfach passieren. Gegen 11 Uhr machten wir eine Pause und stellten fest, dass unser Mitradler Onofre fehlte. Zehn Minuten vergingen, aber von ihm war weit und breit nichts zu sehen. Also hielt ich kurzerhand das nächste Auto an und fragte den Fahrer, ob er unseren Mitradler gesehen hat. Die kurze Antwort lautete Panne.

Kurz darauf hielten zwei Frauen mit ihrem Pickup bei uns und boten an, Onofre abzuholen und zu uns zu bringen. Keine Viertelstunde später waren sie tatsächlich wieder da. Im Auto saß Onofre, hinten lagen sein zerlegtes Fahrrad und das gesamte Gepäck. So konnten wir gemeinsam an die Reparatur gehen und hatten mal wieder erlebt, wie unkompliziert und selbstverständlich hier geholfen wird. This is Botswana, this is Africa!
Die nächste Etappe sollte uns zu einem Steinbruch führen, an dem man angeblich auch campen konnte. Kurz vor dem Ziel passierten wir in Kuka eine Veterinärstation beziehungsweise Kontrollstelle. Um die Ausbreitung von Tierseuchen zu verhindern, muss man dort mit den Schuhen auf einen mit Desinfektionsmittel getränkten Schuhabputzer treten. Auch die Fahrräder müssen durch ein mit Desinfektionsmittel gefülltes Becken gefahren werden. Die Kontrolleurin fragte uns, wohin wir unterwegs seien, und meinte, an unserem Ziel gäbe es gar keinen Steinbruch. Wir sollten doch einfach direkt an der Kontrollstelle übernachten. Dort gibt es ein kleines Camp für die Bediensteten der Station, mit Plumpsklo, einer Hütte zum Duschen und einem Wassertank. Direkt gegenüber liegt ein kleiner Shop mit Wasser, Softdrinks und Bier. Was möchte man mehr? Also bauten wir unser Zelt auf und genossen bei einem eiskalten Bier unser Abendessen.

Die letzte Station in Botswana hieß Tshootsha. Dort fanden wir einen richtig schönen Campingplatz. Da wir allerdings ziemlich spät ankamen, gab es leider kein Abendessen mehr. Dafür durften wir die Küche benutzen und konnten uns selbst etwas kochen. Da wir in den vergangenen Tagen ordentlich Kilometer gemacht hatten, beschlossen wir, am nächsten Tag einen Ruhetag einzulegen. Wie sich herausstellte, war das genau die richtige Entscheidung. In der Nacht und auch am nächsten Morgen regnete es heftig.

Bei strahlendem Sonnenschein erreichten wir am folgenden Tag die Grenze zu Namibia. Nach einer letzten Desinfektion unserer Schuhe und Fahrräder verließen wir Botswana ein wenig wehmütig. Hinter uns lagen viele Kilometer und vor allem unzählige wilde Tiere. Botswana hat uns mit seiner faszinierenden Tierwelt tief beeindruckt.
Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.




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