Nach zehn Tagen fernab jeglicher städtischer Infrastruktur sind wir uns einig: Wir machen einen Abstecher nach Ouésso und nehmen die 50 zusätzlichen Kilometer in Kauf. Nicht nur die Aussicht auf ein bequemes Bett, etwas Komfort und kulinarische Abwechslung lockt uns dorthin. In Ouésso befindet sich außerdem die Verwaltung der Wildlife Conservation Society (WCS), einer internationalen NGO, die sich dem Schutz bedrohter Tierarten widmet und unter anderem den Nouabalé Ndoki Nationalpark verwaltet.

Ein äußerst zuvorkommender Mitarbeiter der WCS macht uns zunächst allerdings wenig Hoffnung auf einen Besuch des Parks. Normalerweise müsse eine solche Tour mindestens drei Wochen im Voraus angemeldet werden. Er gibt uns jedoch die Kontaktdaten des örtlichen Managers, den wir umgehend anschreiben. Und tatsächlich: Wir haben Glück. Ein Besuch ist möglich.

Dann wird es hektisch. Innerhalb kürzester Zeit müssen wir eine Transportmöglichkeit organisieren, unsere Fahrräder und das gesamte Gepäck unterbringen, wasserfeste Schuhe besorgen und sicherstellen, dass wir genügend Bargeld dabei haben. Bereits am nächsten Morgen geht es los.

Mit einer Piroge überqueren wir den Sangha Fluss, um auf der anderen Seite unseren Fahrer zu treffen. Die anschließende Fahrt führt mehrere Stunden über eine schmale, zunehmend holprige Piste tief hinein in den kongolesischen Regenwald. Menschen begegnen wir unterwegs kaum.

Nach etwa drei bis vier Stunden erreichen wir schließlich Bomassa, ein kleines Dorf mitten im Regenwald. In der Parkbasis werden wir herzlich empfangen und beziehen ein gemütliches Zimmer im Gästehaus. Den Abend verbringen wir in einem kleinen Restaurant direkt am Ufer des Sangha Flusses. Während die Sonne langsam hinter dem dichten Grün des Regenwaldes verschwindet, erzählen uns mehrere Dorfbewohner, dass Waldelefanten zeitweise bis ins Dorf kommen. Entsprechend gespannt beobachten wir die Umgebung. Leider bleibt uns die Begegnung mit den Dickhäutern an diesem Abend verwehrt. Dafür entschädigen uns die zahlreichen Affen, die üppig grüne Vegetation und das beeindruckende Konzert der tropischen Vogelwelt.

Am nächsten Morgen steht zunächst ein Covid Test auf dem Programm. Anschließend fahren wir weiter zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Mit dabei sind unser Guide Jean Marie und mehrere Mitarbeiter des Parks, die uns während der kommenden Tage begleiten werden.

Nun kommen endlich die in Ouésso gekauften „Wasserschuhe“ zum Einsatz. Dabei handelt es sich um einfache Plastiksandalen, die mehr oder weniger gut an unseren Füßen sitzen. Kaum losgelaufen, verstehen wir auch, warum diese Schuhe notwendig sind. Der Weg führt durch sumpfiges Gelände, das Wasser reicht uns stellenweise bis zu den Knien. Zu sehen, wohin man tritt, ist praktisch unmöglich. Nach diesem ersten feuchten Abschnitt wandern wir weitere zwei Stunden durch den Wald, bis wir Mondika erreichen.

Mondika ist eine der ältesten Forschungsstationen für westliche Flachlandgorillas inmitten eines der unberührtesten Wälder des Kongobeckens. Ein idylisches Plätzchen, ein Bach fließt durch das Camp und bietet eine erfrischende Badegelegenheit. Ein Elektrozaun schützt vor ungebetenen Gästen.

Dass dieser Schutz durchaus sinnvoll ist, wird uns noch am selben Abend bewusst. Aus der Dunkelheit hören wir plötzlich die Geräusche eines Elefanten, der den Bach überquert. Zu sehen bekommen wir ihn allerdings nicht. Die Nacht im Regenwald ist stockfinster.

Von Mondika aus brechen täglich einheimische Fährtenleser in den Wald auf. Ihre Aufgabe besteht darin, die verschiedenen Gorillagruppen aufzuspüren und deren Verhalten zu beobachten sowie wissenschaftlich zu dokumentieren. Voraussetzung dafür ist die sogenannte Habituierung, also die Gewöhnung der Tiere an die Anwesenheit von Menschen. Dieser Prozess dauert rund zwei Jahre und gilt als aufwendig, schwierig und teilweise gefährlich. Erst wenn die Gorillas die Menschen als harmlosen Bestandteil ihrer Umgebung akzeptieren, können Forscher ihr natürliches Verhalten aus nächster Nähe beobachten.

Sobald die Fährtenleser die Gorillagruppe gefunden haben, kehrt einer von ihner ins Camp zurück und holt uns ab. Vor dem Aufbruch steht erneut ein Covid Test an. Dann geht es hinein in den Wald.

Innerhalb kürzester Zeit verlieren wir jede Orientierung. Gefühlt laufen wir möglichst geräuscharm kreuz und quer durch dichtes Unterholz, über Wurzeln und über zahllose sich kreuzende Pfade. Nach etwa einer Stunde fordert uns unser Guide auf, den Mundschutz aufzusetzen. Die Spannung steigt.

Wir lauschen und schauen uns suchend um. Dann ist es plötzlich so weit. Keine zehn Meter von uns entfernt sitzt ein Gorilla. Was für ein beeindruckendes Lebewesen!

Der Silberrücken, Anführer und Beschützer der Gruppe, ist unglaublich mächtig. Gelassen sitzt er im Unterholz und widmet sich seiner Mahlzeit. Immer wieder verändert er seine Position, und wir folgen ihm durch das Dickicht. Als er schließlich auf einen Baum klettert, endet unsere Verfolgung aus nachvollziehbaren Gründen am Boden.

Die komplette Gruppe, etwa zehn Tiere, sitzt mittlerweile über uns. Einige Äste biegen sich unter ihrem Gewicht erstaunlich weit nach unten. Unweigerlich fragen wir uns, ob die Tiere instinktiv wissen, wie weit sie hinaus klettern können. Genau in diesem Moment passiert es. Ein Ast bricht und ein Gorilla stürzt schätzungsweise zehn Meter in die Tiefe.

Unser Guide erklärt uns später, dass solche Unfälle immer wieder vorkommen und mitunter sogar tödlich enden können. Die Forscher greifen jedoch nicht ein und leisten auch keine medizinische Hilfe. Die Tiere leben wild, und genauso soll das bleiben. Glücklicherweise scheint der abgestürzte Gorilla diesen Zwischenfall unbeschadet überstanden zu haben.

Nochmals sei erwähnt, alles ist hier sehr dicht bewachsen, was uns leider auch oft die Sicht auf diese imposanten Tiere nimmt. Und Mücken gibts. Sooo viele Mücken. Unvorstellbar viele Mücken. So fällt uns der Abschied nach der uns erlaubten Beobachtungszeit von einer Stunde nicht allzuschwer. Voller Euphorie laufen wir zum Camp zurück und lassen die Eindrücke noch lange auf uns wirken.

Am Nachmittag nimmt uns Jean Marie erneut mit in den Wald. Diesmal geht es weniger um Tiere als um die faszinierende Pflanzenwelt des Regenwaldes. Geduldig erklärt er verschiedene Baumarten, Heilpflanzen und die Bedeutung des Waldes für die Menschen vor Ort.

Während der gesamten Wanderung macht er uns immer wieder darauf aufmerksam, dass Waldelefanten die gefährlichsten Tiere des Regenwalds seien. Regelmäßig bleiben wir stehen und lauschen aufmerksam in die Stille des Waldes. Gegen Ende der Tour weist uns der begleitende Fährtenleser auf die einsetzende Dämmerung hin. Es sei Zeit zurückzukehren. Die Wahrscheinlichkeit, nun auf Elefanten zu treffen, steige deutlich an. Elefantenalarm.

Nach einer weiteren Nacht in unserem Zelt beginnt am nächsten Morgen die Rückreise. In der Nacht hat es heftig geregnet. Die Piste hat sich in eine schlammige Rutschbahn verwandelt. Stellenweise fühlt es sich tatsächlich an, als würden wir über Eis gleiten. Immer wieder rutscht das Fahrzeug seitlich weg, während wir uns über Schlaglöcher und durch tiefe Spurrinnen kämpfen.

Am Nachmittag erreichen wir schließlich wieder Ouésso. Wir sind müde und ordentlich durchgeschüttelt, vor allem aber sind wir glücklich.

Die Begegnung mit den Gorillas, die Tage mitten im Regenwald und die unglaubliche Natur des Kongobeckens werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.


Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.

Sobald wir das kleine Hafenstädtchen Idenau erreichen, breitet sich hektische Betriebsamkeit aus. Als Erstes verlassen unsere Reisepässe das Schiff. Anschließend müssen Gepäck und Fahrräder über mehrere Boote hinweg an Land transportiert werden. Während Matthias mit dem Transport beschäftigt ist, macht sich Katrin auf die Suche nach unseren Pässen.

Begleitet von einem Grenzbeamten, oder vielleicht war es auch ein Polizist, werden wir zu verschiedenen kleinen Bretterbuden geführt. Nach einigen Stationen halten wir schließlich den Einreisestempel in den Händen und bekommen unsere Pässe zurück. Willkommen in Kamerun!

Mittlerweile ist es bereits Nachmittag, und unser Tagesziel Limbé liegt noch rund 40 Kilometer entfernt. Kaum haben wir Idenau hinter uns gelassen, werden wir von einer traumhaft schönen Landschaft empfangen. Üppige Vegetation in unzähligen Grüntönen säumt die Straße. Schilder warnen vor Waldelefanten, und ganz nebenbei entdecken wir wieder einmal einen Sticker aus der Heimat.

 

Nach etwa der Hälfte der Strecke überrascht uns ein heftiger Regenschauer. An Weiterfahren ist nicht zu denken, also suchen wir Zuflucht in einer Unterkunft direkt an der Straße. Am nächsten Morgen legen wir die verbleibenden Kilometer bis Limbé zurück.

Da wir noch genügend Zeit haben, schauen wir uns in der Stadt etwas um. Der botanische Garten wirkt leider etwas in die Jahre gekommen. Der Verfall ist vielerorts unübersehbar. Eine aggressive Schnackenattacke verkürzt unseren Aufenthalt zusätzlich, sodass wir uns bald Richtung Strand aufmachen.

Unsere Erwartungen sind hoch. Uns wurde mehrfach erzählt, wie schön es hier sei und dass man direkt am Meer fangfrischen Fisch genießen könne. Die Realität trifft uns jedoch völlig unerwartet. Der Strand ist großflächig mit Müll übersät. Für uns ist der Anblick nicht nur enttäuschend, sondern abschreckend. Offenbar wird diese Tatsache von vielen Einheimischen ausgeblendet. Zwischen Plastikabfällen und anderem Unrat werden Pferdeausritte und Quadfahrten angeboten. Sogar Tische zum Essen stehen mitten im Müll.

Zum Glück erleben wir an diesem Tag auch noch eine positive Überraschung. Wir entdecken ein libanesisches Restaurant und genießen die hervorragenden Spezialitäten der Küche. Ein echter Lichtblick.

Die nächsten drei Tage verbringen wir am Mount Cameroon. Darüber berichteten wir bereits separat in einem eigenen Beitrag.

Unser nächstes Etappenziel ist Douala, die größte Stadt Kameruns. Je näher wir der Metropole kommen, desto konzentrierter müssen wir fahren. Der Verkehr nimmt stetig zu, viele Verkehrsteilnehmer fahren äußerst offensiv, teilweise aggressiv, und der Blick in den Rückspiegel wird zur Dauerbeschäftigung.

In einem deutschen Seemannsheim finden wir schließlich eine kleine Oase der Ruhe. Lange währt die Erholung allerdings nicht. Bereits am nächsten Morgen geht es wieder hinaus aus der Stadt. Die ersten 20 Kilometer bis an den Stadtrand gehören zu den unangenehmsten Abschnitten unserer Reise: Lärm, Abgase, dichter Verkehr und höchste Konzentration. Einfach nur anstrengend.

Auffällig sind die zahlreichen Verkehrsunfälle, die wir unterwegs sehen. Unweigerlich stellen wir uns die Frage, ob dies mit dem offensichtlich weit verbreiteten Alkoholkonsum zusammenhängt. So beobachten wir beispielsweise einen uniformierten Polizisten, der am Abend im Restaurant innerhalb kürzester Zeit einen ganzen Tetrapak Wein leert. An anderer Stelle treffen sich morgens an einer Tankstelle Polizisten, Militärangehörige und andere Männer zum Biertrinken. In vielen Dörfern sehen wir häufig vor allem Männer egal zu welcher Tageszeit neben einer Bierflasche herumsitzen. Einige unangenehme Begegnungen mit alkoholbedingter Enthemmung erleben wir ebenfalls und müssen diese konsequent abwehren.

Unsere Route nach Yaoundé führt über Edéa und Ndjolé Nkong. Der Schwerlastverkehr bleibt zunächst unser ständiger Begleiter. Umso größer ist die Freude, als die letzten rund 80 Kilometer vor der Hauptstadt über einen Autobahnabschnitt führen, der für Lastwagen gesperrt ist. Plötzlich ist es ruhig. So ruhig, dass wir unsere Mittagspause entspannt am Straßenrand verbringen und die ungewohnte Stille genießen.

 

Yaoundé wird auch die Stadt der sieben Hügel genannt. Für Radfahrer klingt das weniger romantisch, als es vielleicht gemeint ist. Nach den vielen Höhenmetern der vergangenen Wochen gönnen wir uns deshalb ein paar Tage Pause in einem Airbnb und kümmern uns um organisatorische Dinge.

Zunächst besuchen wir das Außenministerium Kameruns. Unser Visum läuft in einer Woche ab, und wir befürchten, dass die verbleibende Zeit bis zur Ausreise knapp werden könnte. Daher möchten wir eine Verlängerung beantragen. Vor Ort stellt sich jedoch heraus, dass dies deutlich aufwendiger, zeitintensiver und teurer ist als erwartet. Nachdem wir uns ausführlich über die möglichen Konsequenzen einer Überschreitung informiert haben, entscheiden wir uns gegen eine Verlängerung.

Besonders positiv bleibt uns dabei der zuständige Beamte in Erinnerung. Immer wieder liest und hört man von Korruption. Unsere Erfahrungen sehen bislang jedoch anders aus. In all den vielen Tausend Kilometern durch Afrika wurden wir lediglich ein einziges Mal um einen kleinen Geldbetrag gebeten. Im Außenministerium begegnete man uns stattdessen mit großer Unterstützung. Der Beamte gab uns sogar seine private Telefonnummer und erklärte, wir sollten ihn kontaktieren, falls es bei der Ausreise Schwierigkeiten geben sollte.

Unser nächster Termin führt uns zum Konsulat der Republik Kongo, wo wir unser nächstes Visum beantragen. Der Ablauf verläuft erfreulich unkompliziert. Lediglich ein Feiertag sorgt dafür, dass wir einen Tag länger in Yaoundé bleiben als geplant.

Dann beginnt eine unserer schönsten Etappen in Kamerun.

Von Yaoundé bis zur Grenzstadt Ntam liegen knapp 500 Kilometer und rund 6.000 Höhenmeter vor uns. Mit jedem Kilometer, den wir uns von der Hauptstadt entfernen, wird der Verkehr weniger. Die Landschaft wird grüner, der Straßenrand dichter bewachsen, und zunehmend bestimmen die Geräusche des Waldes die Atmosphäre.

Manchmal finden wir in kleinen Städten oder Dörfern eine Unterkunft, manchmal übernachten wir mitten im Nirgendwo. In den ländlichen Regionen ist die Stromversorgung oft stark eingeschränkt. Häufig gibt es nur zwischen 18 und 21 Uhr Strom. Dann werden Kühlschränke heruntergekühlt, Handys geladen und die Musikboxen hervorgeholt. Kurz darauf dröhnen die Beats in voller Lautstärke durch die stockfinstere Nacht.

Genau solche Momente machen diese Reise für uns aus.

Obwohl wir Tag für Tag dasselbe tun, nämlich Rad fahren, gleicht kein Tag dem anderen. Wir genießen die Stille des Waldes, beobachten das Leben entlang der Straße und freuen uns über die vielen freundlichen Begegnungen. Fast jeder Mensch, dem wir begegnen, winkt uns zu oder begrüßt uns mit einem herzlichen „Bonjour“. Diese Offenheit und Herzlichkeit berührt uns immer wieder.

So kommen wir Kilometer für Kilometer unserem Ziel näher und erreichen schließlich einen Tag vor Ablauf unseres Visums die Grenzstadt Ntam.

 

 

Zwei Dinge sind uns in Kamerun besonders aufgefallen.

Zum einen begegnen wir auffallend vielen Menschen mit Albinismus. Anfangs fragen wir uns, ob uns dies lediglich aufgrund ihres Erscheinungsbildes stärker auffällt. Nach etwas Recherche erfahren wir jedoch, dass Albinismus in vielen Regionen Afrikas tatsächlich häufiger vorkommt als in Europa. Dennoch ertappen wir uns manchmal dabei, unwillkürlich ein zweites Mal hinzusehen z.B. bei einer Albinofrau mit einem schwarzen Baby auf dem Rücken.

Zum anderen begegnen wir immer wieder dem sogenannten Bushmeat. Darunter versteht man Wildtiere, die im Busch gejagt und anschließend verkauft oder verzehrt werden. Das Spektrum reicht von Schlangen und Ratten über Gürteltiere bis hin zu Affen oder Antilopen. Vieles davon sehen wir auf Märkten oder am Straßenrand angeboten, oftmals noch eindeutig als Tier erkennbar. Für uns ist dieser Anblick gewöhnungsbedürftig und nicht besonders angenehm.

Kamerun ist das erste Land auf unserer Afrika-Reise, in dem wir über lange Strecken ausgedehnte Wälder, weitgehend unberührte Natur sowie viel Einsamkeit und Ruhe erleben durften. Gerade diese Kombination hat das Land für uns besonders gemacht.


Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.

 

Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch den Kongo – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir gerade unterwegs sind.

Stand: bis 15.06.2026

Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch Kamerun – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir unterwegs waren.

Einreise:  02.05.2026
Ausreise: 22.05.2026
Kilometer: 876 km

Es ist immer wieder schön die nächste Marke zu erreichen. Heute haben wir kurz vor der Grenze zum Kongo noch im vierzehnten Land in Afrika die 14.000 geknackt. Langsam nähern wir uns dem Äquator. Es sind nur noch zwei Breitengrade bis dahin….

In Sachen Panne oder Plattfuß gibt es übrigens keine Änderungen 🙂

Nachdem uns bereits der Vizekonsul auf dem Konsulat in Calabar von der Besteigung des Mount Cameroon erzählt hatte und ein in Kamerun lebender Deutscher sowie eine Radfahrerin begeistert berichtet hatte, beschlossen wir, die Sache selbst anzugehen.

Zunächst mussten wir nach Buea auf rund 1000 Meter hochkurbeln und einen Guide für die Tour finden. Die Strecke war ordentlich steil, zum Glück aber wenig befahren. Beim Guide entschieden wir uns schließlich für denjenigen, der am schnellsten und ausführlichsten auf unsere Anfrage geantwortet hatte.

Das erste Hotel wollte uns für die zwei Tage, in denen wir Räder und Gepäck dort lassen wollten, den vollen Zimmerpreis berechnen. Das war uns dann doch etwas zu viel des Guten. Also zogen wir kurzerhand um und bereuten die Entscheidung kein bisschen.

Am nächsten Morgen sollten wir um acht Uhr abgeholt werden, um gegen halb neun zu starten. Die Abholung verzögerte sich, da aufgrund des Ghost Town Mondays am Vortag die Einkäufe noch nicht erledigt waren. 

 

Kurz nach neun Uhr ging es los und bis zum Eingang des Nationalparks durch schönen dichten Wald. Ab 2000m wurde es lichter und steiler und wir waren froh die Fako-Lodge nach sechs Stunden endlich zu erreichen. Die Aussicht war herrlich, da es inzwischen aufgemacht hatte. In Summe waren das am ersten Tag über 1800m Aufstieg.

Dort waren wir in einer sehr komfortablen Hütte untergebracht, und bekamen ein gutes Abendessen aus den von unserem Träger hochgeschleppten Zutaten zubereitet. Kurz darauf lagen wir völlig erledigt in unseren Betten. 

 

Am nächsten Morgen ging es früh weiter. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns mit müden Beinen auf den Weg zum Gipfel. Je höher wir kamen, desto kälter, windiger und wolkenverhangener wurde es. Nach drei Stunden standen wir schließlich auf dem windumtosten Gipfel und entdeckten überrascht, dass offenbar schon vor uns ein Karlsruher oder zumindest ein KSC-Fan hier gewesen war. Auf dem Gipfelschild klebte tatsächlich ein KSC-Sticker. Unser eigener Sticker machte sich direkt daneben ziemlich gut.

 

Danach begann der lange Abstieg. Auf der anderen Seite des Bergs führte der Weg durch eine fast surreale Landschaft mit den unterschiedlichsten Lavaformationen. Am Ende der Tagesetappe erreichten wir die Mann’s Spring Lodge und waren komplett erledigt. Radfahren und Wandern beanspruchen eben doch ganz andere Muskeln, und fürs Wandern waren wir definitiv nicht in Übung.

Am nächsten Tag ging es zurück nach Buea. Dort waren wir schon froh, die Treppen hoch zum Hotel und vor allem später wieder runter zum Abendessen zu kommen.

Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.

 

 

Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch Nigeria – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir unterwegs waren.

Einreise:  18.04.2026
Ausreise: 02.05.2026
Kilometer: 918 km

Unsere Erwartungen an Nigeria waren groß und ehrlich gesagt auch die Befürchtungen. Der langwierige Prozess der Visa-Erteilung sowie die zahlreichen Reisewarnungen und Sicherheitshinweise haben ihr Übriges dazu beigetragen.

Doch am Ende kam alles ganz anders als gedacht. Schon der Grenzübertritt und der Kauf der SIM-Karten verliefen völlig problemlos. Geld hatten wir ebenfalls genug dabei, zumindest zahlenmäßig und nach Anzahl der Scheine. Mehr als eine Million Naira klingt schließlich erstmal nach einer ganzen Menge.

In Nigeria funktionieren ausländische Kreditkarten an Geldautomaten nicht und auch sonst konnten wir nur ein einziges Mal mit einer unserer Karten bezahlen. Bei einer anderen führte schon der Zahlungsversuch direkt zur Sperrung.

Nigeria ist mit Abstand das bevölkerungsreichste Land Afrikas und das merkt man sofort. Überall sind Menschen unterwegs, vor allem junge Menschen. Wirklich allein waren wir eigentlich nie. In ganz Westafrika leben viele Menschen dicht gedrängt in den urbanen Gebieten, aber Nigeria setzt dem nochmal die Krone auf. Das Durchschnittsalter liegt bei gerade einmal 15 Jahren und wir wurden fast überall respektvoll mit „Ma“ und „Baba“ begrüßt.

Wegen der Sicherheitslage hatten wir beschlossen, Lagos zu umgehen und uns möglichst entlang der großen Straßen zu bewegen. Am ersten Tag ging es über eine gute, wenn auch noch einspurige Straße. Beim ersten Halt an einem der vielen kleinen Shops am Straßenrand dauerte es keine zwei Minuten und wir waren von neugierigen Menschen umringt. Natürlich wollten alle ein Selfie mit uns machen. Auch aus vorbeifahrenden Autos bekamen wir ständig einen Daumen nach oben gezeigt. Das erinnerte uns sofort an Marokko, wo wir zuletzt so viel Offenheit, Freundlichkeit und Interesse erlebt hatten.

Die nächste Etappe führte wegen der weiträumigen Umfahrung von Lagos über eine komplett aufgeweichte Piste. Nach den vorherigen Regenfällen bestand die Strecke fast nur noch aus Pfützen und Schlammlöchern, die man irgendwie umfahren oder möglichst geschickt durchqueren musste. Die größte Herausforderung war dabei immer die Frage: Wie tief ist das Loch wirklich? Einige LKWs steckten bereits fest und wir waren mehr als erleichtert, als endlich wieder Asphalt unter den Reifen war.

 

Am Abend kamen wir mit komplett eingeschlammtem Gepäck und dreckigen Rädern in einem wirklich schönen Hotel unter. Zum Glück gab es dort einen Stromgenerator, denn das bedeutete Licht, Klimaanlage oder Fan und manchmal sogar warmes Wasser. Inzwischen versuchten wir bei der Hotelauswahl immer darauf zu achten, denn durchgehenden Strom gibt es vielerorts oft nur zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens. In dieser Zeit laufen dann natürlich sämtliche Kühlschränke und Klimaanlagen gleichzeitig, was regelmäßig zu Überlastung und neuen Stromausfällen führt.

Nach einem frühen Frühstück brachten wir am nächsten Morgen unser Gepäck nach unten und erlebten eine echte Überraschung. Der Sicherheitsmann hatte unsere Fahrräder am Abend heimlich gründlich gereinigt. Nach einem großzügigen Trinkgeld konnten wir unsere Reise mit blitzblanken Rädern fortsetzen.

 

Danach ging es entlang der vierspurigen Autobahn weiter. Eigentlich eine eher langweilige Strecke, wären da nicht die kreativen Erweiterungen der Verkehrsregeln in Nigeria gewesen. Einige davon kannten wir zwar schon aus anderen Ländern Westafrikas, aber hier wurden sie aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens besonders konsequent umgesetzt.

Wenn sich auf den eigenen zwei Spuren Stau bildet oder der Straßenbelag schlecht ist, wird kurzerhand eine zusätzliche Spur auf der Gegenfahrbahn eröffnet. Was bei uns als Geisterfahren gelten würde, ist hier einfach pragmatische Verkehrsoptimierung. Eine weitere beliebte Variante entsteht, wenn ein Wechsel auf die richtige Fahrbahnseite wegen Mittelstreifen oder dichtem Verkehr nicht möglich ist. Dann fährt man eben einfach am Rand der Gegenfahrbahn entlang.

 

Erhöhte Aufmerksamkeit in Fahrtrichtung ist in diesen beiden Fällen Pflicht, aber es gibt ja auch noch das Überholen und die Spurnutzung. Die linke Spur gehört meist den größten und schwersten Fahrzeugen. Schnellere und kleinere Fahrzeuge überholen die Schwergewichtige rechts. Das bedeutet für uns, die wir langsam auf dem Standstreifen unterwegs sind, ständig aufmerksam den Verkehr hinter uns im Blick zu haben. Der Rückspiegel wird zur Lebensversicherung, denn überholt wird oft mit hoher Geschwindigkeit und ohne großen seitlichen Sicherheitsabstand.

 

In Benin City, einer der größten Städte Nigerias, gönnten wir uns schließlich einen Pausentag, bevor es weiter über Owerri, Aba und Uyo Richtung Südosten nach Oron an die Küste ging.

Immer wieder entstanden unterwegs wunderschöne Begegnungen völlig spontan. Einmal wollte ich nur kurz ein paar Kekse kaufen und wenige Minuten später standen wir mitten in einer kleinen Menschentraube. Der Verkäufer sprach Deutsch, weil er fünf Jahre in Österreich gelebt hatte. Kurz darauf gesellte sich noch eine Getränkeverkäuferin dazu und plötzlich wollten alle wissen, woher wir kommen, wie lange wir schon unterwegs sind und wie uns Nigeria gefällt. Natürlich durften auch hier die Fotos nicht fehlen. Irgendwann mussten wir uns regelrecht losreißen, sonst würden wir vermutlich heute noch dort stehen.

Von Oron oder Calabar wollten wir mit dem Speedboot oder der Fähre nach Kamerun fahren. Der Landweg ist wegen des Konflikts mit Separatisten im Nordwesten von Kamerun, dem bei uns weitgehend unbekannten Ambazonia War, nur im Konvoi passierbar und für Radreisende praktisch kaum machbar.

Die Fähre verkehrt aufgrund der durch den Iran-Krieg gestiegenen Dieselpreise nur noch einmal im Monat und war leider gerade erst abgelegt. Also blieb uns nur das Speedboot. Vorher mussten wir allerdings noch zum kamerunischen Konsulat in Calabar, um unsere bereits erteilten E-Visa in die Pässe übertragen zu lassen.

Auf der Fähre nach Calabar gelten strenge Sicherheitsvorschriften. Alle Passagiere mussten während der gesamten Fahrt Schwimmwesten tragen. Unsere Westen waren allerdings deutlich zu groß und unter Deck wurde es darin ziemlich schnell unangenehm heiß.

 

Nach einem zusätzlichen Tag Zwangspause saßen wir schließlich nach einigen weiteren morgendlichen Zwischenfällen endlich im Speedboot. Wobei „losfahren“ relativ war. Bevor das Boot wirklich Fahrt aufnehmen konnte, mussten wir zunächst zwölf Kontrollboote von Zoll, Marine, Polizei und weiteren Behörden passieren, die jeweils ein paar hundert Meter voneinander entfernt ankerten. Teilweise wurden unsere Pässe kontrolliert, teilweise die transportierten Waren begutachtet und manchmal schaute einfach nur jemand kurz ins Boot. Eines hatten allerdings alle Kontrollen gemeinsam: Es wurde immer ein Obolus fällig.

 

Nachdem auch diese letzte Hürde geschafft war, ging es mit Vollgas drei Stunden Richtung Kamerun.

Das Boot sprang von Welle zu Welle und knallte jedes Mal hart aufs Wasser. Spaß war das definitiv keiner. Nach gut drei Stunden liefen wir erschöpft, durchgeschüttelt, aber glücklich im Hafen von Idenau in Kamerun ein.

 

Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.