Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch die Elfenbeinküste – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir unterwegs waren.

Einreise:  07.03.2026
Ausreise: 23.03.2026
Kilometer:   975 km

Unser nächstes Ziel heißt Abidjan. Wir fahren jedoch nicht auf direktem Weg dorthin, sondern schlagen zunächst den Weg nach Süden ein, geradewegs zur Küste. Ein großer Teil der Küstenlinie ist geprägt von vorgelagerten Lagunen und schmalen Landstreifen zwischen Lagune und Meer. Genau diese Landschaft wollen wir erleben.

 

An der Küste angekommen, unternehmen wir zunächst eine Fahrt mit einer Pirogge über eine fantastische, unberührte Lagune. Schließlich werden wir auf dem schmalen Landstreifen abgesetzt. Allein im Wald. Ein schmaler Trampelpfad weist uns die Richtung und nach einigem Schieben unserer Räder erreichen wir schließlich die Straße, besser gesagt eine Sandpiste. Rund 50 Kilometer folgen wir dieser Route und genießen die Aussicht: rechts Kokospalmen und dahinter das Meer, links die ruhige Lagune.

In Jacqueville liegt unsere Unterkunft direkt am Meer. Die Wellen sind hoch und kraftvoll, die Unterströmung zieht uns fast die Füße weg. Baden fällt also aus. Stattdessen gönnen wir uns spontan eine Massage. Wir entdecken das Angebot zufällig und zögern keine Sekunde. Es tut unglaublich gut.

Abidjan erreichen wir schließlich mit einem Bootstaxi. Vom schmalen Landstreifen geht es wieder übers Wasser, direkt auf die Großstadt zu. Noch bevor wir ankommen, erleben wir eine besondere Einlage: einen Prediger an Bord. Das Boot ist aufgebaut wie ein Bus, alle schauen nach vorne und dort steht er. Ruhig beginnend steigert er sich immer weiter, bis seine Predigt in ein lautes, eindringliches Anklagen unserer Sünden übergeht. Puh.

 

Abidjan fühlt sich für uns an wie eine andere Welt. Hier gibt es plötzlich alles. Wir kaufen neue Sonnenbrillen, Matthias tauscht sein geliebtes, inzwischen völlig zerfleddertes T-Shirt gegen ein neues ein. Und wir kaufen Käse. Ja, französischen Käse wie auf dem heimischen Markt. Außerdem entdecken wir einen Saftladen mit frisch gepressten Säften aus Ananas, Orange, Mango und vielem mehr. Endlich mal wieder ein Abendessen, das nicht aus Reis mit irgendeiner Soße besteht. Gleichzeitig sind wir von den vielen Möglichkeiten und Einkaufszentren fast überfordert. Im Nachhinein wird einem bewusst, dass genau das in Europa Alltag ist. Ein ziemlicher Luxus, in dem wir dort leben.

Die Stadt hat einen Ausländeranteil von rund 25 Prozent. Zeitweise sind wir von so vielen nicht schwarzen Menschen umgeben, dass es sich völlig ungewohnt anfühlt.

Wir setzen unsere Reise in Richtung Assouindé fort, einem eher kleinen Strandort und beliebten Wochenendziel wohlhabender Menschen aus Abidjan. Der Weg dorthin führt über eine lange, gut ausgebaute Strandpromenade, die allerdings sichtbar dem Verfall preisgegeben ist. Da fragt man sich unweigerlich, warum hier einst so viel investiert wurde, um es später einfach verkommen zu lassen.

   

In Assouindé finden wir eine traumhafte, fast schon paradiesische Unterkunft. Wir lassen die Seele baumeln und üben nach langer Zeit wieder Acroyoga. Schon nach kurzer Zeit zieht das die Aufmerksamkeit auf sich und wir haben plötzlich ein kleines Publikum. Einige Jungs schließen sich uns sogar an und machen begeistert mit.

 

Unser letzter Tag in der Elfenbeinküste bringt noch einmal ein echtes Highlight. Eine unbeschreiblich beeindruckende Tour direkt am Strand entlang. Von Assouindé fahren wir etwa 20 Kilometer, bevor wir erneut mit einer Pirogge übersetzen, diesmal direkt an den gegenüberliegenden Strand. Der Sand ist erstaunlich fest, sodass wir mit leichtem Rückenwind am Meer entlang rollen. Das Rauschen der Wellen, der weite Blick, einfach großartig. Immer wieder begegnen wir Fischern, die ihre Netze einholen oder ihre Boote an Land ziehen. Es wird gewunken, gelacht und gegrüßt.

Den Ausreisestempel bekommen wir schließlich in einer kleinen Bambushütte, die man leicht übersehen könnte. Kurz darauf, diesmal gut sichtbar, steht er vor uns: der Grenzstein zu Ghana.

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Der Grenzposten Liberia Elfenbeinküste bestand aus ein paar Hütten und war nicht sofort als solcher zu erkennen. Die Flagge der Elfenbeinküste neben der richtigen Hütte war in diesem Moment sehr hilfreich. Die Formalitäten waren schnell erledigt und wir hatten noch die letzten 30 Kilometer unserer Tagesetappe beziehungsweise die ersten 30 Kilometer im neunten Land auf dem afrikanischen Kontinent vor uns. Diese hatten es in sich. Eine Sandpiste mit tiefen Ausspülungen, dazu zahlreiche steile Anstiege und die Hitze. Erschöpft erreichten wir schließlich unser Tagesziel Danané.

 

Ab hier durften wir wieder eine asphaltierte Straße genießen. Trotzdem waren wir so schlapp, dass wir sogar eine Einladung eines Einheimischen, sein Zuhause zu besichtigen, ausschlugen. Wir erreichten Man in den frühen Abendstunden und machten uns erst einmal auf die Suche nach einem Geldautomaten. Hier trafen wir einen Traveller, der uns erzählte, dass es um die Ecke eine Boulangerie mit Pain au Chocolat gebe. Das war genau der Zündfunke, wir waren sofort wieder hellwach. Und wie lecker das war. Ihr könnt euch denken, dass unser Frühstück am nächsten Morgen entsprechend üppig ausfiel: Croissant, Pain au Chocolat, Kaffee und Joghurt. Wie sich im weiteren Verlauf der Reise herausstellte gab es in jeder größeren Ansiedlung eine Boulangerie – Patiserie und über unzureichende Kalorienversorgung mussten wir uns keine Sorgen mehr machen.

Zum Glück war es an diesem Tag bewölkt und mit gut gefüllten Mägen liefen die Reifen wieder rund. Zum Mittagessen besuchten wir zwei Radfahrende, die aufgrund einer Malariaerkrankung eine längere Pause einlegen mussten. Es tat uns allen gut, uns auszutauschen und einfach ein bisschen zu quatschen. Der Zieleinlauf nach Duékoué wurde von bizarren Gesteinsformationen flankiert, die ein bisschen an das Elbsandsteingebirge erinnerten.

 

Daloa, das nächste Etappenziel, lag weitere 105 Kilometer entfernt. Dort nahmen wir am nächsten Morgen ein Taxi und ließen uns aus der Stadt hinausfahren. Über verschiedene Kanäle hatten wir gehört, dass es hier wild lebende Affen geben soll. Nach einigem Nachfragen hielten wir an einer kleinen Ansiedlung und wurden sofort herzlich empfangen. Man erklärte uns, dass die Affen in einem heiligen Wald lebten und als wiedergeborene Vorfahren der hier lebenden Großfamilie gelten. Mit einem Prügel wurde auf ein Brett geschlagen, um die Tiere zu rufen. Wir mussten eine Weile warten, wurden dann aber belohnt und konnten die Affen sogar mit Bananenstücken füttern.

 

Zwischen den Häusern befanden sich zahlreiche Gräber, unter anderem das des Großvaters, der wohl über 50 Kinder gezeugt hatte. Nun wurde uns auch klar, warum am Straßenrand immer wieder Gräber zu sehen waren. Jede Familie hat ihr eigenes Territorium, einen zentralen Friedhof, wie wir ihn kennen, gibt es nicht.

 

Auf unserem Weg nach Bonon trafen wir noch einen sehr freundlichen entgegenkommenden Motorradfahrer, der uns einige SIM Karten für die kommenden Länder schenkte.

Schließlich erreichten wir Yamoussoukro, die Hauptstadt der Elfenbeinküste. Die Fahrt dorthin war vor allem von Hitze und vielen Hügeln geprägt. Die Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich schwieriger als gedacht, sodass wir am Ende in einem recht edlen Hotel eincheckten. Das Hotel lag etwas außerhalb. Das Kuriose war, dass man über unbefestigte Wege zum Eingang gelangte und direkt daneben eine einfache Hütte stand, in der gekocht, verkauft, gelebt und geschlafen wurde. Dieser Umstand begegnete uns des öfteren, meist dann wenn ein Neubau in eine bestehende Siedlung gesetzt wurde, Gentrifizierung auf ivorisch.

Yamoussoukro ist erst seit 1983 Hauptstadt. Der erste und mehr als 30 Jahre lange Präsident der Elfenbeinküste, Félix Houphouët-Boigny, wurde hier geboren, damals war es noch ein Dorf. Er ließ die imposante Basilika Notre Dame de la Paix errichten, die dem Petersdom nachempfunden ist, diesen jedoch in ihrer Größe sogar übertrifft. Natürlich haben wir die Basilika besucht. Ein sehr freundlicher Guide führte uns durch das Bauwerk. Wir waren fast allein, haben die Schönheit bewundert, uns aber gleichzeitig gefragt, ob ein solches Monument wirklich notwendig ist oder ob die Mittel nicht an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt gewesen wären.

 

Weitere Etappen führten uns durch die Städte Oumé, Divo und Grand Lahou. Unterwegs bestaunten wir die verschiedenen Stadien der Palmölproduktion, Kakaopflanzen und die Verarbeitung der Kakaobohnen, Avocados in großen Säcken für den Weitertransport sowie das Trocknen und Sortieren von Cashewkernen. Auch den Cashewapfel konnten wir endlich probieren. Und wie so oft waren es die vielen kleinen Begegnungen mit den freundlichen und offenen Menschen, die diese Tage besonders gemacht haben.

 

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Again and again…

Die nächsten tausend Kilometer liegen hinter uns und im Moment kommen wir richtig gut voran. Das liegt zum einen an der bevorstehenden Regenzeit, zum anderen daran, dass die möglichen Zwischenstopps gerade ziemlich ideal verteilt sind. Meist liegen sie etwa 70 bis 100 Kilometer auseinander und passen damit perfekt zu unseren Etappen. Die bevorstehende Regenzeit zeigt sich u.a. am zeitweise stark bewölkten Himmel, was für uns die Fahrt sehr angenehm macht.

Bevor der Regen richtig einsetzt, wollen wir möglichst weit Richtung Osten geradelt sein. Nach unserem Abstecher ins Landesinnere sind wir inzwischen wieder an der Küste angekommen.

Kaum waren wir nach dem Bild oben weiter gefahren, habe ich ein verdächtiges Geräusch von der Lauffläche eines der Reifen wahrgenommen. Nach Prüfung musste ich feststellen, dass ein Nagel im Reifen steckte. Doch der hatte sich in einen der äußeren Stollen gebohrt und konnte ohne Probleme herausgezogen werden – Glück gehabt, immer noch kein Plattfuß 🙂

Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch Liberia – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir unterwegs waren.

Einreise:  26.02.2026
Ausreise: 07.03.2026
Kilometer:   494 km

Irgendwo hatte ich gelesen, dass in Liberia die Regenzeit eigentlich nie endet und genau so wurden wir auch empfangen. Kaum hatten wir die Brücke über den Grenzfluss überquert und standen am ersten Immigration Office, um uns registrieren zu lassen, ging es los. Den Einreisestempel konnten wir uns erst einmal nicht abholen, denn als wir aus der Hütte traten, schüttete es plötzlich wie aus Kübeln. Wir mussten noch über eine Stunde unter dem Vordach bleiben und das Ende des Schauers abwarten. Welcome to Liberia 🙂

Auch die Moto-Taxis sind hier sehr häufig mit Regenschirmen ausgestattet.

Dabei zeigte sich Liberia durchaus auch von seiner freundlichen und wunderschönen Seite. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit wirkte alles noch deutlich grüner und tropischer als im benachbarten Sierra Leone. Gleichzeitig wurde aber auch die größere Armut sichtbar. Es lag deutlich mehr Müll herum und stellenweise fühlten wir uns an Mauretanien erinnert.

An einem Abend bekamen wir die Gelegenheit, eine private „Klinik“ zu besichtigen. Die Besitzerin führte uns voller Stolz durch ihr Lebenswerk. Es gab mehrere Betten, ein kleines Labor und sogar einen Kreißsaal. Alles wirkte äußerst sauber und ordentlich. Offiziell wird in Liberia Englisch gesprochen, allerdings handelt es sich um liberianisches Englisch. Ein Slang mit vielen Einflüssen aus einheimischen Sprachen, der für uns extrem schwer zu verstehen war. Selbst einfache Dinge wie Preisangaben mussten wir oft mehrfach nachfragen. So konnten wir auch die Erklärungen zur Klinik leider nur teilweise verstehen.

Unsere Suche nach einem Restaurant führte dazu, dass uns kurzerhand eine Begleitung organisiert wurde. Dabei lag das Restaurant gerade einmal 300 Meter entfernt, einfach die Hauptstraße entlang. Trotzdem hätte man es allein wohl kaum gefunden. Vor Ort wurden wir dann von lauter Musik empfangen, denn das Restaurant war gleichzeitig auch die lokale Diskothek. Riesige Boxen sorgten für ordentlich Stimmung. Ohne unsere Begleitung wären wir vermutlich daran vorbeigelaufen.

Am nächsten Tag ging es weiter in die Hauptstadt Monrovia. Die Straße dorthin war teilweise in einem ziemlich schlechten Zustand. Immer wieder begegneten uns schwere Lastwagen, die meisten davon aus chinesischer Produktion, was uns stark an Guinea erinnerte. Offenbar wird in der Region Eisenerz abgebaut und transportiert. Monrovia selbst wirkt weitläufig und hat eine besondere Ausstrahlung. Viele öffentliche und staatliche Gebäude sind alt, groß und erzählen vom Glanz vergangener Zeiten. Liberia war einer der ersten unabhängigen Staaten Afrikas und galt nach dem Zweiten Weltkrieg als vergleichsweise fortschrittlich. Die Bürgerkriege haben davon viel zerstört, doch in Monrovia ist dieser frühere Anspruch noch immer spürbar.

Eine Besonderheit ist auch das Währungssystem. Es gibt sowohl den liberianischen Dollar als auch den US Dollar. Kleinere Beträge und Einkäufe auf der Straße bezahlt man meist in der Landeswährung, während größere Summen, etwa in Hotels, häufig in US Dollar verlangt werden. Selbst an Geldautomaten gibt es oft getrennte Geräte für beide Währungen. Es fühlt sich schon etwas merkwürdig an, mitten in Afrika am Automat US Dollar abzuheben.

Aufgrund der starken Regenfälle und der Berichte über sehr schlechte Straßen im Südosten entschieden wir uns gegen die Route entlang der Küste. Statt uns durch Schlamm und Morast zu kämpfen, nahmen wir lieber den Umweg über den Nordosten. Nach einem Ruhetag ging es weiter nach Kakata. Dort kamen wir in einem Guesthouse unter, das zu einer privaten Klinik gehört. Eigentlich ist es für Volontäre gedacht, wird aber auch gern an europäische Overlander vermietet. Die Besitzerin Chris hat eine spannende und beeindruckende Geschichte. Nach mehr als zwanzig Jahren Arbeit in der Sowjetunion und später teilweise auch in den USA kehrte sie nach Liberia zurück und gründete ihre eigene Klinik.

 

Die Landschaft veränderte sich zunehmend und wir fuhren durch riesige Kautschukplantagen. Kautschuk ist eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. Es war spannend zu beobachten, wie der Saft gewonnen und gesammelt wird. Der leicht säuerliche, gummiartige Geruch des frischen Kautschuks lag immer wieder in der Luft.

   

   

Und dann wäre da noch eine weitere Spezialität, die man unbedingt erwähnen muss: Ananas. An nahezu jeder Straßenecke werden reife, unglaublich süße Früchte verkauft. Mit den oft säuerlichen und geschmacklich eher enttäuschenden Exemplaren in Deutschland haben sie absolut nichts gemeinsam.

Über Ganta und Sanniquellie erreichten wir schließlich die Grenze zur Elfenbeinküste. Auch der letzte Tag in Liberia zeigte sich noch einmal von seiner nassen Seite. Zum Glück fanden wir gerade noch rechtzeitig einen Unterstand, bevor wir mit einem eineinhalbstündigen Schauer verabschiedet wurden.

Fazit: Unser kurzer Aufenthalt in Liberia hat uns ein spannendes Land mit sehr freundlichen Menschen gezeigt. Wir wären gerne noch länger geblieben, doch die einsetzende Regenzeit und die teilweise heftigen Schauer machten uns einen Strich durch die Rechnung.

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Was für ein Gefühl: zehntausend Kilometer im Sattel. Als wir losgeradelt sind, war diese Zahl völlig unvorstellbar – irgendwo zwischen verrückt und unerreichbar. Und jetzt? Fühlt es sich fast schon normal an. Fast.

Dabei liegt noch einmal genauso viel Strecke vor uns. Afrika ist einfach riesig, wirklich riesig.

Gestartet sind wir in Karlsruhe auf dem 49. Breitengrad. Inzwischen radeln wir auf Höhe des siebten Breitengrads. Und das Kap der Guten Hoffnung liegt auf dem 34. südlichen Grad. Auch wenn man es so betrachtet, sind wir ziemlich genau in der Mitte. Halbzeit also, zumindest geografisch.

Und was ich unbedingt noch loswerden muss: Eine Panne? Ein Platten? Fehlanzeige. So darf es gerne weitergehen. 😊