Eine weitere Tausendermarke ist gefallen: Wir haben die nächsten 1.000 Kilometer geschafft, und das wieder passend im dreizehnten Land Afrikas auf unserer Reise.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es allerdings: Die verflixten dreizehnten Tausendkilometer haben uns bei 12.045 Kilometern den ersten Platten der gesamten Reise beschert. Na ja, irgendwann musste es ja mal passieren.

Witzigerweise konnte ich gleich zwei Übeltäter im Mantel entdecken: einen Dorn und ein Stück Draht. Im Schlauch selbst fand ich aber nur ein einziges Loch. Trotz allem grenzt es bei den teilweise wirklich katastrophalen Fahrbahnrändern, die nur so vor möglichen Ursachen für einen Platten strotzen, fast an ein Wunder, dass es nicht schon viel früher passiert ist.

 

Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch Benin – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir unterwegs waren.

Einreise:  07.04.2026
Ausreise: 18.04.2026
Kilometer: 363 km

In Benin ist die Voodoo-Religion stark ausgeprägt. Das durften wir bereits kurz nach unserer Einreise miterleben: Während wir am Wegesrand pausieren, fährt ein Motofahrer mit einer lebenden Gans in der Hand an uns vorbei, bleibt stehen und lädt uns nach einem kurzen Gespräch zu sich ein. Dieses Mal lehnen wir nicht ab und folgen ihm in die Pampa. Immer wieder hält er an verschiedenen Stellen an und erklärt uns etwas von heiligen Orten und Heilung. Wegen seines schwer verständlichen Englischs und unserer Ahnungslosigkeit verstehen wir allerdings erst mal gar nichts.

 

Als wir bei seinem Haus ankommen, wird uns jedoch schnell klar, dass wir uns im Haus eines Voodoo-Priesters befinden. Er erklärt uns alles sehr höflich. Umso ärgerlicher, dass wir tatsächlich nur wenig begreifen. Das Benin-Englisch unterscheidet sich doch deutlich von unserem Deutsch-Englisch. Nichtsdestotrotz war es super interessant und auf dem Rückweg zur Straße wird uns die Bedeutung der zuvor gezeigten Orte langsam etwas klarer.

Wir fahren weiter bis Ouidah. Dort treffen wir wieder auf Markus und Vroni, kochen zusammen und verbringen den Abend miteinander. Ouidah ist ein angenehmes Pflaster. Wobei… Pflaster. Wir werden noch feststellen, dass in Benin jede Stadt im Innenstadtbereich gepflastert ist, für unsere Hinterteile äußerst unangenehm. Uns fällt auf, dass fast alle Menschen – vom Kleinkind bis zur Greisin, Verkäuferin, Motofahrer oder Passant – einfach wunderschöne Kleidung tragen. In allen erdenklichen Farbkombinationen und Mustern. Matthias übrigens jetzt auch.

   

Von Ouidah aus biegen wir von der Küstenstraße ins Landesinnere ab. Ein Traveller hat uns einen Tipp gegeben, wo man Voodoo-Praktiken hautnah erleben kann. Und weil wir von den Hauptstraßen langsam genug haben, entscheiden wir uns, diese zu verlassen und über Piste zu fahren. Keine Minute bereuen wir diese Entscheidung. Der Weg führt durch ursprüngliche Dörfer, über kleine Trails, bei denen wir nicht immer sicher sind, ob wir richtig sind, an einer alten Bahnstrecke entlang und vorbei an vielen freundlichen und lachenden Gesichtern, einfach schön.

 

Mit einer Zwischenübernachtung in Allada kommen wir schließlich in Abomey an, die frühere Hauptstadt des Königreichs Dahomey. Die Suche nach einer Unterkunft beschert uns einige Extra-Kilometer auf Pflasterbelag, autsch. Am nächsten Abend werden wir von einem Guide abgeholt. Er begleitet uns zu einer Voodoo-Zeremonie. Mit dem Moto fahren wir eine halbe Stunde durch die Nacht, bis wir schließlich irgendwo gebeten werden, unsere Schuhe auszuziehen und durch einen kleinen Durchgang in einen Hof zu gehen. Die Trommler finden schnell ihren Rhythmus und immer mehr Menschen strömen auf das Gelände. Der Guide erklärt uns, dass jede Familie – etwa 600 in dieser Stadt – einmal pro Jahr eine solche Feier veranstaltet. Den eigentlichen Sinn verstehen wir allerdings nicht. Tote Ziegen, Männer, die sich in Trance tanzen, viele Geldscheine und lautes Getrommel lassen unser Unverständnis in den nächsten zwei Stunden eher wachsen als schrumpfen. Und plötzlich ist alles vorbei.

Am nächsten Tag besuchen wir einen der königlichen Paläste, eine Kirche in Form eines Chamäleons und fahren in ein Dorf zu einem Voodoo-Priester. Hier werden uns die verschiedenen Fetische und ihre Bedeutung erklärt. Übrigens: Voodoo ist eine offiziell anerkannte Religion in Benin. Laut unserem Guide sind viele Einwohner Benins sowohl Anhänger des Voodoo als auch des Christentums.

 

Wir nehmen uns wieder zwei Tage Zeit, um zurück an die Küste nach Cotonou zu fahren. Trotz unzähliger Mails und WhatsApp-Nachrichten haben wir unsere Visa für Nigeria immer noch nicht erhalten. Wir warten bereits seit zwei Wochen und wollen eigentlich längst weiter Richtung Nigeria. Was tun? Der Antrag scheint irgendwo im System festzustecken. Wir versuchen unser Glück bei der nigerianischen Botschaft – ohne Erfolg. Schweren Herzens entscheiden wir uns deshalb, Nigeria zu überfliegen, buchen einen Flug nach Libreville und beantragen ein Visum für Gabun. Abends bekommen wir dann die Nachricht, dass der Flug storniert wurde. Eine weitere Buchung können wir wegen Zahlungsproblemen nicht vornehmen. Was nun? Voller Frust gehen wir ins Bett. Am nächsten Morgen wartet im Postfach die Nachricht: Das Visum für Nigeria ist da!! Wir genießen noch einen Tag die Annehmlichkeiten der Stadt, essen Eis und Pizza und machen uns am nächsten Tag auf den Weg nach Nigeria.

In Cotonou kommen wir noch an der Esplanade de l’Amazone vorbei, auf der mit einem monumentalen Denkmal an die berühmten Kriegerinnen des Königreichs Dahomey erinnert wird. Im weiteren Verlauf passieren wir die längste Graffitiwand Westafrikas. Unsere Route führt uns wieder etwas ins Landesinnere zur Grenzstadt Idiroko. Kurz vor dem Grenzübergang tauschen wir unser Geld und erhalten mehr als eine Million Naira. Anzumerken sei: Der größte Schein beträgt 1000 Naira. Bedeutet… schon wieder Extra-Gepäck!

 

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Wir haben es sogar gleich zweimal geschafft. Die nächsten tausend Kilometer haben wir passenderweise kurz nach unserer Ankunft im zwölften Land Afrikas überschritten.

Jetzt bleibt nur noch eine letzte Frage offen. Regelmäßige Leser wissen genau, was ich meine. Und jetzt seid ihr dran.

Gab es inzwischen ein kleines Missgeschick oder nicht?

Ich freue mich auf eure Antworten in den Kommentaren 🙂

Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch Togo – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir unterwegs waren.

Einreise:  05.04.2026
Ausreise: 07.04.2026
Kilometer:   54 km

Nachdem wir schneller als ursprünglich gedacht durch Ghana gekommen waren, standen wir an der Grenze zu Togo plötzlich vor einem Problem: Unsere Visa waren noch nicht gültig. Wir dachten uns erst, das würde sich schon irgendwie regeln lassen, wechselten unser Geld und holten uns auf ghanaischer Seite die Ausreisestempel. Auf der togolesischen Seite sahen die Beamten das allerdings ganz anders und wollten unsere Visa auf keinen Fall akzeptieren. Tja, und nun?
Nach kurzer Überlegung nahmen wir das Angebot eines sofort herbeigeeilten „Fixers“ an. Er versprach, jemanden dazu zu bringen, am Ostersonntag ins Büro zu kommen und uns zwei neue Visa auszustellen. Natürlich war das Ganze mit zusätzlichen Kosten verbunden, aber immer noch besser, als wieder umzukehren. Nach gefühlt endlosen drei Stunden des Wartens hielten wir endlich zwei neue Visa in den Händen und konnten einreisen.

Die Hauptstadt Lomé liegt direkt an der Grenze und nach diesem nervenaufreibenden Grenzübertritt bot sich uns dort ein völlig anderes Bild als in Ghana. Der Strand war sehr sauber und in der Stadt reihten sich unzählige Strandbars und Restaurants aneinander. Mit dem Wechsel vom Englischen zurück ins Französische kamen auch Baguette und Croissants wieder in unser Leben, was für ein Genuss. Dazu entdeckten wir ganz zufällig eine Eisdiele, deren Qualität locker mit einer europäischen mithalten konnte. Als Krönung fanden wir noch ein tolles Hotel mit gutem Restaurant direkt am Strand. Der Tag war gerettet und der ganze Ärger schnell vergessen.

 

Damit wir an der Grenze zu Benin nicht noch einmal in dieselbe Situation mit einem noch nicht gültigen Visum geraten würden, beschlossen wir, vorsorglich direkt neue Visa zu beantragen. Die Bearbeitungszeit in Benin war erfahrungsgemäß sehr kurz und tatsächlich hatten wir schon am nächsten Tag zwei neue Visa im Postfach. Also konnte es weitergehen und wir machten uns auf den Weg Richtung Benin. Unterwegs entdeckten wir noch einige schöne Graffitis und Mosaike.

 
Nach nur 54 Kilometern hatten wir Togo bereits durchquert. Spuren der deutschen Kolonialzeit haben wir jedenfalls keine gesehen oder zumindest nicht bewusst wahrgenommen.

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Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch Ghana – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir unterwegs waren.

Einreise:  23.03.2026
Ausreise: 05.04.2026
Kilometer:   640 km

 

Was für ein ungewöhnlicher Grenzübergang. Zuerst hätten wir fast die kleine Hütte für den Ausreisestempel aus der Elfenbeinküste übersehen. Dann standen wir plötzlich vor dem unübersehbaren Grenzstein, landeten kurz darauf im ersten Dorf und suchten erst einmal den Posten für die Einreise. Zum Glück fallen wir als „Blancos“ mit unseren Fahrrädern immer auf. Es dauerte nicht lange, bis uns die Uniformierten entdeckten und in ihre Hütte riefen. Nach einem kurzen, freundlichen Austausch hatten wir unsere Stempel und wollten gerade weiter, als wir auf zwei andere Radreisende trafen. Die beiden Australierer zogen neben ihren Fahrrädern auch noch einen Anhänger mit zwei Surfbrettern hinter sich her. Sie waren vor uns über die Grenze gekommen und hatten sich bereits um SIM-Karte und Geld gekümmert. Für den Abend verabredeten wir uns in einem Hotel. Den Abend verbrachten wir bei Bier und gemeinsamem Essen. Eine schöne Gelegenheit zum Austausch und entspannten Plaudern.

Mit dem Grenzübertritt wechselten wir wieder von Französisch zu Englisch und gleichzeitig von Baguette und Croissant zu Kastenweißbrot. 🙁

Unser nächstes Ziel waren zwei Radreisende, die wir bereits während einer Malaria-Erkrankung besucht hatten. Die beiden hatten uns zwischenzeitlich überholt, hingen nun aber wegen einer erneuten Erkrankung wieder fest. Leider bekamen wir in ihrer Lodge kein Zimmer, also ging es weiter Richtung Busua, ein kleines Dorf an der Küste und ein bekannter Surfspot.

Auch in Busua war die Unterkunftssuche zunächst nicht ganz einfach. Nach drei Versuchen entschieden wir uns schließlich für ein Beach Resort mit einer Hütte direkt am Strand. Ein traumhafter Ausblick wie aus dem Reiseprospekt erwartete uns, dazu ein toller Strand direkt vor der Tür. Endlich ein Ort, an dem wir ein paar Tage bleiben wollten.

 

Busua hatte aber noch mehr zu bieten. Am zweiten Tag buchten wir einen Surfkurs, um unsere in Marokko erlernten Fähigkeiten nicht ganz zu vergessen. Ein weiteres Highlight war das vegetarische Restaurant von Kaya. Dort gab es unglaublich leckeres, frisch gekochtes Essen und einen herzlichen Empfang durch die ganze Familie. Die Location war eher einfach, eine Bambushütte, aber das tat der Qualität der Speisen keinen Abbruch. Unser zweiter Surftag fiel leider dem einsetzenden, heftigen Regen zum Opfer.

Nach den erholsamen Tagen machten wir uns über Shama auf den Weg nach Cape Coast. In Elmina legten wir einen Zwischenstopp ein. Die Besichtigung des Elmina Castle war sehr beeindruckend. Zum einen ist es die erste europäische Festung südlich der Sahara, zum anderen spielte sie eine zentrale Rolle im transatlantischen Sklavenhandel. Dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist bis heute längst nicht ausreichend aufgearbeitet.

 

Auf dem Weg nach Cape Coast trafen wir zwei radfahrende Ghanaer, Vater und Tochter. Die beiden begleiteten uns kurzerhand bis zu unserer Unterkunft und wollten alles über unsere Ausrüstung und Fahrräder wissen. Zum Abschied schenkten sie uns zwei T-Shirts von ihrer Tour. Doch damit nicht genug. Am nächsten Morgen standen sie wieder vor unserer Tür und wollten noch mehr Details zur Optimierung und Einstellung ihrer Räder erfahren. 🙂

Nach dem Besuch des Cape Coast Castle inklusive Museum zur Geschichte des Sklavenhandels machten wir uns auf den Weg nach Accra. Das berüchtigte „Gate of No Return“ hat durch die Rückführung und Beisetzung der Überreste zweier Sklaven aus Übersee etwas von seiner ursprünglichen Bedeutung verloren.

 

Apropos Beisetzung. Ghana ist bekannt für seine außergewöhnlichen Särge. Einige davon konnten wir tatsächlich entdecken.

 

Der Weg nach Accra führte uns über Winneba. Viele Baustellen, viel Verkehr und noch mehr Staub machten die Strecke anstrengend. Teilweise konnten wir auf noch nicht freigegebenen Neubaustrecken fahren, was die Situation etwas entspannte. In Accra selbst fanden wir abgesehen vom Unabhängigkeitsdenkmal in Form eines Triumphbogens wenig Sehenswertes. Selbst die Strände waren weder gut zugänglich noch besonders einladend.

Von Accra ging es zunächst weiter durch Baustellen bis nach Kasseh. Dort verließen wir die Hauptstraße und fuhren nach Ada an die Küste beziehungsweise an das Ufer des Volta-Flusses. Es folgte eine wunderschöne Bootsfahrt durch das Volta-Delta und anschließend eine Strecke auf einem schmalen Landstreifen zwischen Lagune und Meer bis nach Keta. Dort mussten wir aufgrund ausgebuchter Hotels wegen der vielen christlichen Osterveranstaltungen mal wieder im Zelt übernachten. Manchmal wird man eben zu seinem Glück gezwungen. 🙂

Am nächsten Tag ging es weiter bis nach Aflao an die Grenze zu Togo. Der Grenzübertritt verlief diesmal leider nicht ganz reibungslos, aber dazu gibt es bald mehr im nächsten Beitrag.

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