Namibia – durch die Steinwüste zu den höchsten Dünen
Aus den ursprünglich geplanten drei Tagen in Windhuk sind dann doch vier geworden. Wir konnten uns einfach noch nicht so recht auf den Weg machen. Aber irgendwann war es so weit und nach gefühlt ewiger Zeit saßen wir endlich wieder auf unseren Rädern. Unser Ziel: Richtung Südwesten, hinein in die Wüste Namib.

Nach zehn Kilometern hatten wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen, und nach weiteren zehn Kilometern endete auch die geteerte Straße. Ab jetzt hieß es für lange, sehr lange Zeit: Staub, Sand, Kies, grober Schotter, Wellblechpiste und jede Menge Steine. Es ist schon erstaunlich, wie viele unterschiedliche Varianten eine Piste bieten kann und wie anstrengend das Radfahren dadurch wird.

Am ersten Tag reichten uns 30 Kilometer über eine harte, steinige Piste völlig aus. Wir waren froh, als wir schließlich ein schönes, trockenes Flussbett fanden, in dem wir unser Zelt aufschlagen konnten.

Am nächsten Tag änderte sich an der Beschaffenheit der Piste zunächst wenig. Dafür kamen zahlreiche Hügel und sandige Senken hinzu, die uns zusätzlich forderten. Am späten Nachmittag wollten wir auf einer Farm unsere Wasservorräte auffüllen und erlebten mal wieder eine dieser wunderbaren Überraschungen, die das Reisen so besonders machen.
Nachdem wir unsere Wasserflaschen gefüllt hatten, bot uns der freundliche Herr an, unser Zelt auf dem Farmgelände aufzuschlagen oder alternativ ein Zimmer zu nehmen. Außerdem dürften wir eine Küche zum Kochen benutzen. Da mussten wir nicht lange überlegen. Freudestrahlend entschieden wir uns für das Zimmer und freuten uns über die Möglichkeit richtig kochen zu können.

Wir waren inzwischen in einer Hochlandschaft unterwegs, die zwischen 1.500 und 1.900 Metern Höhe lag. Nachts und am frühen Morgen war es angenehm frisch, manchmal sogar richtig kühl. Sobald sich allerdings die Sonne zeigte, wurde es schnell wärmer und die Jacken verschwanden wieder in den Taschen.
Am Abend erreichten wir eine Lodge mit Restaurant. Der dazugehörige Campingplatz lag allerdings noch etwas mehr als einen Kilometer entfernt, mitten in einer wunderschönen Steinlandschaft.

Auf den umliegenden Felsen hatte sich eine ganze Affenherde versammelt. Wir beobachteten die Affen und sie uns. Nach einem hervorragenden Dinner genossen wir den phänomenalen Sternenhimmel. Weit und breit gab es keine störenden Lichter, sodass wir die Sterne in ihrer ganzen Pracht bewundern konnten.


Am nächsten Morgen wartete bereits die nächste Überraschung auf uns. Zum Frühstück gab es frisch gebackenes Sauerteigbrot! Unser Gastgeber war selbst ein großer Fan von gutem Brot. Als ich ihm erzählte, dass ich zu Hause ebenfalls mein eigenes Brot backe, führte er mich kurzerhand in die Küche. Dort durfte ich einen Blick in seinen Backofen werfen, in dem gerade fünf Brote gebacken wurden. Da fühlte ich mich doch gleich ein bisschen wie zu Hause!
An diesem Tag standen lediglich 20 Kilometer auf dem Programm. Unser Ziel war der Spreethoogte-Pass und ein Campingplatz mit fantastischer Aussicht hoch über der Wüste. Die Auffahrt hatten wir hinter uns, doch auf der anderen Seite ging es richtig zur Sache. Mit bis zu 26 Prozent Gefälle stürzt sich die Straße steil den Berg hinunter.

Unser Campingplatz lag ungefähr auf halber Höhe und bot einen freien Blick nach Westen. Die Aussicht war grandios, und auch hier gab es wieder eine schöne Überraschung: Für Radfahrende war die Übernachtung kostenlos!

Über Solitaire kämpften wir uns in den folgenden zwei Tagen weiter nach Sesriem. Dort wollten wir die bekannten Dünen der Wüste Namib und das Deadvlei besuchen.
Bereits in Solitaire hatten wir einen südafrikanischen Radfahrer getroffen, der vom Nordkap aus auf dem Weg nach Hause war. Wie sich herausstellte, hatten wir schon vor längerer Zeit Kontakt miteinander gehabt. Bei der Beantragung des Nigeria-Visums hatten wir uns bereits per Chat ausgetauscht. Die Welt ist eben manchmal doch ein Dorf, selbst wenn man gerade durch die Weiten Namibias radelt.

Am nächsten Tag konnten wir bei zwei deutschen Touristen mitfahren, die ebenfalls das Naturschutzgebiet besuchen wollten. So legten wir die rund 60 Kilometer von Sesriem bis zu den Dünen ganz bequem mit dem Auto zurück. Vom Parkplatz ging es dann mit einem Shuttle weiter durch den tiefen Sand bis zum Fuß der Düne „Big Daddy“.

Nach knapp einer Stunde standen wir schließlich oben auf der höchsten Stelle und wurden mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt. Vor uns erstreckte sich ein Meer aus rot leuchtenden Dünen, dazwischen lag das helle Deadvlei. Die Dimensionen dieser Landschaft sind beeindruckend, und von oben lässt sich erst richtig erkennen, wie gewaltig die Dünen tatsächlich sind.
Für den Abstieg wählten wir eine der steilen Dünenflanken. Es ging halb springend, halb tief im Sand versinkend nach unten. Das machte nicht nur Spaß, sondern war auch deutlich einfacher, als den steilen Hang wieder hinunterzulaufen. Unten angekommen, standen wir mitten im Deadvlei.

Dort ragen zahlreiche abgestorbene Kameldornbäume aus dem hellen, ausgetrockneten Boden. Manche dieser Bäume sind schätzungsweise rund 900 Jahre alt. Durch die extreme Trockenheit sind ihre schwarzen Überreste bis heute erhalten geblieben. Die Szenerie wirkt beinahe unwirklich: der leuchtend rote Sand der Dünen, der helle, fast weiße Boden und dazwischen die schwarzen Baumgerippe. Ein unglaublicher Kontrast, der diese Landschaft so einzigartig macht.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz legten wir noch einen Stopp am Sesriem Canyon ein. Die Felswände sahen stellenweise aus wie grober Beton. Tatsächlich bestehen sie aber aus verfestigten Ablagerungen aus Lehm und Steinen. Über viele Jahre hat das Wasser hier eine beeindruckende Schlucht geformt.

Auch wenn uns die Schotterpisten einiges abverlangten, wurden wir unterwegs immer wieder mit besonderen Begegnungen und fantastischen Landschaften belohnt.
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