Kongo – der Süden

Es ist bereits einen Monat her, seit wir zuletzt die Annehmlichkeiten einer Großstadt genießen konnten. Nun erreichen wir die Hauptstadt der Republik Kongo, Brazzaville. Im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Großstädten herrscht hier erfreulich wenig Verkehr und wir radeln ganz entspannt in Richtung Innenstadt.

Annehmlichkeiten einer Großstadt? Zum Beispiel Bäckereien und Konditoreien. Dafür braucht es keine große Absprache. Unsere Räder schalten sofort auf Autopilot und halten direkt vor dem nächsten Café. Eine gute Tasse Kaffee und ein feines Stück Kuchen. Was für ein Genuss!

Wir mieten uns ein modernes Apartment, in dem wir nach Lust und Laune kochen, unsere Geschmacksknospen verwöhnen, die Wäsche einfach in die Waschmaschine werfen und abends mit Erdnüssen und einem Bier auf dem Sofa Netflix schauen. Alles, was wir in Brazzaville sehen und erleben, gefällt uns ausgesprochen gut.

Jeden Sonntag wird eine der Hauptstraßen entlang des Kongos für den motorisierten Verkehr gesperrt. Die Einheimischen nutzen den Platz auf ganz unterschiedliche Weise. Die einen machen Sport, andere proben Tanzchoreografien. Man kann Fahrräder, Rollschuhe oder eine Art Bobbycars für Kinder ausleihen. Es wird flaniert, gespielt, aufs Handy geschaut und über allem liegt der verlockende Duft der Essensstände. Die Atmosphäre ist entspannt und angenehm. Dazu genießt man den Blick über den Kongo hinüber nach Kinshasa und fragt sich unweigerlich, warum zwei Millionenstädte, die sich direkt gegenüberliegen, bis heute durch keine einzige Brücke miteinander verbunden sind.

Da wir beide etwas kränkeln, verlängern wir unseren Aufenthalt um zwei Tage. Danach geht es weiter in Richtung Grenze zu Angola. Die positiven Eindrücke unserer Ankunft werden bei der Abfahrt allerdings auf eine harte Probe gestellt. Extrem dichter Verkehr und schwarze Abgaswolken begleiten uns aus der Stadt hinaus. Zum Glück haben wir unsere Schutzmasken griffbereit. Je weiter wir Brazzaville hinter uns lassen, desto angenehmer wird die Fahrt. Schließlich endet unsere Tagesetappe ohne weitere Zwischenfälle im kleinen Dorf Kinkala.

Heute erwartet uns eine abwechslungsreiche, aber auch körperlich sehr fordernde Tour. Bereits kurz hinter dem Ortsausgang werden die ersten Schäden im Asphalt sichtbar. Das Ausweichen vor Schlaglöchern entwickelt sich schon bald zu einer vergeblichen Suche nach überhaupt noch geteerten Abschnitten. Über rutschigen Schotter, ausgewaschene Sandpisten, weggebrochene Wege sowie unzählige Auf- und Abfahrten kämpfen wir uns mühsam vorwärts. Freundliche und aufmerksame Menschen zeigen uns den richtigen Abzweig, den wir alleine niemals genommen hätten. Am frühen Abend erreichen wir ziemlich erschöpft, aber zufrieden Mindouli. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt gerade einmal neun Kilometer pro Stunde. Für die 60 Kilometer lange Strecke sitzen wir mehr als sechseinhalb Stunden im Sattel.

In den folgenden zwei Tagen rollt es dafür wieder deutlich leichter. Auf einer gut ausgebauten und kaum befahrenen Straße fahren wir über Bousana bis nach Loudima.

In Loudima treffen wir schließlich Onofre, einen spanischen Radreisenden, mit dem wir bereits seit einigen Tagen in Kontakt stehen. Von nun an sind wir zu dritt unterwegs. Nach der morgendlichen Suche nach etwas Essbarem verlassen wir das kleine Dorf. Vor uns liegen viele steile Hügel und lediglich 40 Kilometer. Nur 40 Kilometer? Das macht uns stutzig.

Mit Sicherheit können wir sagen, dass wir noch nie so lange und so heftig durchgeschüttelt wurden wie an diesem Tag. Eine steinharte, ununterbrochen holprige Piste, stellenweise eher ein Singletrail. Rechts und links wachsen hohe Gräser, die uns entweder die Sicht nehmen oder uns ins Gesicht schlagen. Extrem steile Anstiege lassen sich nur bewältigen, indem wir unsere Räder gemeinsam hinaufschieben.

Nachdem es die ganze letzte Woche bewölkt war, brennt heute die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Der Schweiß läuft in Strömen. Plötzlich kommen wir an einem Buschbrand vorbei. Die Flammen sind schon von Weitem zu sehen und Asche rieselt vom Himmel. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit. Mit zunehmender Hitze, beißendem Rauchgeruch und lautem Knistern passieren wir die Brandstelle. Ein letzter Blick zurück lässt uns schlucken. Die Flammen schlagen inzwischen über den Weg. Oh oh oh.

Unsere Tour endet schließlich früher als geplant, als wir an einem ummauerten Gelände mit einem großen Wassertank vorbeikommen. Wir klopfen an das Eisentor und fragen, wofür die Gebäude genutzt werden. Die Antwort überrascht uns: ein Hotel. Zunächst müssen wir zwar fast eine Stunde auf den Verantwortlichen warten, anschließend werden die Zimmer hergerichtet, Wasser organisiert und der Strom eingeschaltet. Zusätzlich dürfen wir den vorhandenen Gasherd benutzen und uns endlich ein warmes Abendessen kochen.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von den Bewohnern des Dorfes Kimongo und erreichen etwa eine Stunde später die auf einer Anhöhe gelegene Grenzstation der Republik Kongo. Mit dem Ausreisestempel im Pass schlängelt sich die schmale Straße weiter bergauf. Gestern fuhren wir noch durch eine ausgedörrte, karge Landschaft. Hier umgeben uns plötzlich hohe Bäume und sattes Grün, das sich die Straße Stück für Stück zurückerobert. Und dann stehen wir schließlich vor dem Schlagbaum nach Angola.


Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.

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