Angola – pausenlos durch ein riesiges Land

Nach unserer Ankunft mit der Fähre in Soyo statteten wir noch dem örtlichen Büro der SME (Serviço de Migração e Estrangeiros), der angolanischen Ausländerbehörde, einen Besuch ab. Unser Plan war gewesen, mit einem Visa on Arrival einzureisen und anschließend das verlängerbare E-Visum eintragen zu lassen.

Der sehr freundliche Beamte bat uns in sein Büro, nahm unser Anliegen und unsere Papiere entgegen und begann schon nach kurzer Zeit hektisch zu telefonieren. Da wir praktisch seit sechs Uhr morgens nichts mehr gegessen hatten, knurrten uns inzwischen gewaltig die Mägen und wir konnten die Aufregung des Beamten zunächst nicht so recht nachvollziehen.

Er telefonierte mit verschiedenen Personen und versuchte offenbar, seinen Chef zu erreichen. Irgendwann gab er uns zu verstehen, dass auf dem E-Visum ein Stempel fehlte und das offenbar eine ziemlich große Katastrophe sei. Ein Stempel konnte dort allerdings gar nicht vorhanden sein, denn wir hatten das E-Visum erst am Vortag ausgedruckt.

Während der Beamte weiter telefonierte, wurde unser Hunger langsam übermächtig. Da sich außerdem keinerlei Fortschritt abzeichnete, verlangten wir unsere Papiere zurück und zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Hunger hatten wir jedenfalls mehr als genug. Da es inzwischen langsam zu dämmern begann, machten wir uns zunächst auf die Suche nach einer Unterkunft. Die Nahrungsaufnahme musste weiter warten.

 

Schlussendlich haben wir doch noch etwas zu essen bekommen. Die folgenden fünf Tage fuhren wir durch dünn besiedeltes Land entlang der Küste in Richtung Luanda. Teilweise übernachteten wir in Unterkünften, teilweise im Zelt. Einmal durften wir in einem Raum einer Polizeiwache unser Zelt aufschlagen. Ich meine natürlich nicht eine der ebenfalls vorhandenen Zellen. Das Gebäude befand sich allerdings in einem ziemlich jämmerlichen Zustand. Sämtliche Holzteile waren von Termiten zerlegt worden und die zahlreichen Löcher im Dach sorgten für eine ausgezeichnete Belüftung.

 

Ganz nebenbei waren wir auch wieder in einem Baobab-Land angekommen. Seit dem Senegal hatten wir die teilweise riesigen und beeindruckenden Affenbrotbäume vermisst. Nun standen sie plötzlich wieder überall am Straßenrand und prägten die Landschaft. Egal ob einzeln auf weiter Flur oder in kleinen Gruppen, jeder Baum schien seinen ganz eigenen Charakter zu haben. Wir konnten uns kaum an ihrem Anblick sattsehen und freuten uns über jedes neue Exemplar.

  

In Luanda hatten wir ein Apartment gemietet und verbrachten zwei Tage damit, unser E-Visum eintragen zu lassen. Nur damit hätten wir überhaupt die Möglichkeit gehabt, es anschließend zu verlängern. Leider kassierten wir eine frustrierende Absage nach der anderen und mussten uns langsam mit dem Gedanken anfreunden, die verbleibende Gültigkeit unseres Visums für eine zügige Fahrt durch den Süden Angolas zu nutzen.

 

Zunächst folgten wir weiter der Küste und kamen durch einige wirklich schöne Orte wie Porto Amboim und Sumbe. Mit ihren Stränden und der touristischen Infrastruktur hätten sie durchaus zu einem längeren Aufenthalt eingeladen. Es wäre mal wieder Zeit für die Auffrischung und Erweiterung unserer Surf-Kenntnisse gewesen. Leider blieb dafür keine Zeit.

 

Hinter Benguela bogen wir ins Landesinnere ab und arbeiteten uns über zahllose Hügel hinauf auf die Hochebene nach Lubango. Unterwegs unternahmen wir in einem weiteren SME Office einen letzten Versuch, unser E-Visum eintragen zu lassen. Die einzige Auskunft, die wir erhielten, war allerdings die Höhe der Strafe für jeden Tag, den wir unser Visum überziehen würden. Von Lubango aus ging es anschließend auf der Hochebene meist flach oder sogar leicht bergab weiter in Richtung namibischer Grenze.

 

 

Nach sechzehn Radtagen ohne Pause erreichten wir schließlich die Grenze und hatten unser Visum lediglich um einen Tag überzogen. Entsprechend gespannt waren wir, ob wir nun eine Strafe bezahlen mussten. Der freundliche Grenzbeamte überraschte uns jedoch positiv.

Er verzichtete auf die eigentlich fällige Gebühr, weil wir kein angolanisches Geld mehr besaßen. Ein versöhnlicher Abschluss unserer schönen, aber viel zu kurzen Zeit in Angola.


Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.

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