Namibia – Etosha-Nationalpark

Welcome to Namibia. Welcome to Oshikango.

Unser dreimonatiges Visum für Namibia erhalten wir problemlos. Anschließend radeln wir nur wenige hundert Meter zu einer Lodge. Hier heißt es erst einmal: Pause machen! Ausruhen, die nächsten Etappen planen und einen interessanten Austausch mit Ursula und Oskar führen, einem Paar, das wir hier kennenlernen.

Nach drei Tagen beginnt es allerdings wieder zu kribbeln. Wir wollen weiter und machen uns auf den Weg Richtung Etosha-Nationalpark. Die Route führt uns über die Kleinstädte Ondangwa, Omuthiya und Oshivelo bis zu einer Lodge namens Sachsenheim, mitten im Nirgendwo.

Zu Beginn haben wir noch etwas Schwierigkeiten mit dem Linksverkehr. Der Blick in den Rückspiegel wandert automatisch nach links, der Spiegel befindet sich jetzt aber auf der rechten Seite. Die Straßen sind deutlich schmaler und der Verkehr anfangs überraschend dicht. Auffällig ist auch, was fehlt: keine Mopeds, keine dreirädrigen Transportfahrzeuge, kaum Menschen am Straßenrand. Stattdessen rauschen teilweise hochmoderne Autos mit wenig Abstand an uns vorbei.

Die Landschaft lässt sich am besten als Savanne beschreiben. Rechts und links scheinbar vertrocknete Gräser und Sträucher, schnurgerade Straßen und zur Abwechslung einmal keinerlei Erhebungen. Wir wundern uns darüber, dass zwischen den Ortschaften praktisch keine Ansiedlungen zu sehen sind. So etwas haben wir bisher noch nirgendwo erlebt.

Dazu muss man allerdings wissen, dass Namibia nur rund drei Millionen Einwohner zählt, aber mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland.

Erreicht man nach gefühlt endloser, gleichbleibender Landschaft schließlich eine Ortschaft, ist man erstaunt über das große Angebot an Einkaufsmöglichkeiten und die gut ausgebaute Infrastruktur.

In der Lodge Sachsenheim schlagen wir unser Zelt auf und organisieren für den nächsten Tag eine Mitfahrgelegenheit nach Tsumeb. Dort holen wir einen Mietwagen ab, den wir für einen fünftägigen Besuch im Etosha-Nationalpark nutzen wollen.

Was für ein Gefühl, nach so langer Zeit wieder in einem Auto zu sitzen. Aufpassen, Linksverkehr!

Zurück in der Lodge verladen wir Fahrräder und Gepäck und starten unser Abenteuer Etosha.

Der Nationalpark umfasst eine Fläche von rund 23.000 km². Herzstück ist die Etosha-Pfanne mit etwa 4.700 km². Dabei handelt es sich um eine abflusslose Senke mit einer harten Kruste aus Salz und Schlamm. Endlose Weite, soweit das Auge reicht.

Über ein Netz von Schotterstraßen, bestehend aus einer Hauptpiste und zahlreichen Nebenstrecken zu den Wasserlöchern, lässt sich der Park erkunden. Die Wasserlöcher werden teilweise von natürlichen Quellen gespeist, teilweise künstlich versorgt. Hier trifft sich alles, was in Etosha Rang und Namen hat. Die Bilder sprechen in diesem Fall vermutlich mehr als Worte.

Doch nicht nur die Tiere versammeln sich an den Wasserlöchern. Auch die vielen Besucher warten dort mit gezückten Kameras in ihren Fahrzeugen. Aussteigen ist verboten. Mehr oder weniger geduldig schaut jeder darauf, was als Nächstes auftaucht. Vereinzelt gibt es eingezäunte Toilettenhäuschen, ansonsten bleibt man besser im Auto.

Unterwegs queren Elefanten, Zebras und Antilopen die Fahrbahn. Im Busch und in der offenen Landschaft entdecken wir immer wieder beeindruckende Tiere. Im Park gibt es mehrere Resorts mit Übernachtungsmöglichkeiten. An einem davon beobachten wir am Abend acht Nashörner an einem schwach beleuchteten Wasserloch. Ein ganz besonderes Erlebnis.

Die Nashörner bewegen sich sehr gemächlich und bleiben teilweise minutenlang regungslos stehen. Man hat fast den Eindruck, sie seien eingeschlafen. Überhaupt scheint hier niemand Eile zu haben.

Besonders eindrucksvoll ist eine Elefantenherde am Wasserloch. Die Tiere trinken, bespritzen sich mit Wasser und Schlamm, und sobald der erste fertig ist, entfernt er sich einige Meter und wartet. Nach und nach kommen die anderen hinzu. Keiner drängelt, keiner wird ungeduldig. Erst wenn das letzte Tier fertig ist, zieht die Herde gemeinsam weiter.

Der Begriff der „Elefanten-Geduld“ beschreibt diese unerschütterliche Ruhe und Gelassenheit perfekt. Es ist faszinierend und beeindruckend zugleich.

Nach fünf Tagen haben wir genug gesehen. Vor allem das ständige Sitzen im Auto und die Fortbewegung von Schlagloch zu Schlagloch strengen uns zunehmend an. Wir sehnen uns wieder nach dem Fahrradsattel.

Wir verlassen den Park und fahren durch die weiterhin beeindruckende, karge Landschaft zurück nach Tsumeb, um den Mietwagen abzugeben.

Unser nächstes großes Ziel sind die Viktoriafälle. Bis dahin liegt allerdings noch ein gutes Stück Weg vor uns. Von Tsumeb geht es über Grootfontein, mit zwei Übernachtungen auf Campingplätzen und einer weiteren Nacht innerhalb der Umzäunung einer Tagesklinik, schließlich nach Rundu.

Hier erwartet uns der Okavango, der Grenzfluss zu Angola.

Doch davon erzählen wir im nächsten Bericht.

Unser Fazit bis hierher: Namibia unterscheidet sich deutlich von den Ländern, die wir bisher bereist haben. Die vielen Touristen, teilweise in Reisebussen unterwegs, zeigen, welche wichtige Rolle der Fremdenverkehr für das Land spielt.

An manchen Orten nehmen wir die schwarze Bevölkerung fast ausschließlich als Dienstleistende wahr. Dadurch fällt es schwerer, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Natürlichkeit vieler Begegnungen, die wir in anderen Ländern erlebt haben, fehlt uns manchmal.

Trotzdem fühlen wir uns hier wohl. Anders wohl eben.


Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.

 

 

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