Namibia – wieder zurück und weiter nach Windhuk
Die Wiedereinreise nach Namibia verläuft völlig problemlos. Wir haben ein Visum für drei Monate, mit dem wir beliebig oft ein- und ausreisen dürfen. Da wir uns inzwischen rund 20 Tage außerhalb Namibias aufgehalten haben, bekommen wir bei der Wiedereinreise eine Verlängerung um zehn Tage. Fragt bitte nicht, wie das genau funktioniert und welcher mathematischen Formel diese Berechnung zugrunde liegt. Wir nehmen die zusätzlichen Tage einfach dankend an und machen uns auf den Weg.
Direkt hinter der Grenze biegen wir auf den Campingplatz East Gate ein. Hier verbringen wir die Nacht, bevor es am nächsten Morgen wieder auf die Räder geht.
Nach der gemütlichen Zeit in Botswana müssen wir uns erst einmal wieder an die namibischen Straßen gewöhnen. In Botswana hatten wir fast immer einen breiten Seitenstreifen, auf dem wir einigermaßen entspannt radeln konnten. Hier ist davon leider nichts zu sehen. Stattdessen teilen wir uns die Straße mit den Autos und Lastwagen. Nicht gerade angenehm!

Unser heutiges Ziel ist Gobabis, eine kleine Stadt im Osten Namibias. Zunächst geht es für uns ungewohnt kräftig bergauf. Als wäre das nicht schon anstrengend genug, dreht gegen Mittag auch noch der Wind und bläst uns kräftig ins Gesicht. Die letzten Kilometer werden damit zu einer echten Kraftprobe.
Kurz vor Gobabis, wir sind inzwischen ziemlich ausgepowert und wollen eigentlich nur noch ankommen, werden wir mitten auf der Straße von zwei Polizisten angehalten. Die beiden scheinen gerade nicht allzu viel zu tun zu haben und freuen sich offenbar über etwas Abwechslung. Normalerweise lassen wir uns gerne auf ein kleines Schwätzchen ein, schließlich lernt man auf diese Weise immer wieder interessante Menschen kennen. Heute allerdings hält sich unsere Begeisterung in Grenzen. Wir wollen einfach nur noch vom Rad und endlich ankommen!

Nachdem wir uns am Vortag doch etwas verausgabt haben, beschließen wir, am nächsten Tag nur eine kurze Etappe zu fahren. Schließlich wissen wir inzwischen, dass der Wind gegen Mittag wieder kräftig zulegen dürfte. Da ist es besser, früh Schluss zu machen, statt sich unnötig zu quälen.
Wir finden einen Campingplatz bei einer ausgesprochen netten Familie. Die Gastgeber sind sehr umweltbewusst und haben eine schöne Idee: Sie möchten sich die weite Welt und die Geschichten aus fernen Ländern direkt auf ihren Campingplatz holen. Reisende wie wir bringen schließlich jede Menge Erzählstoff mit. So verbringen wir eine angenehme Zeit bei ihnen, bevor es am nächsten Morgen weitergeht. Zum Abschied werden wir mit großem Gewinke verabschiedet. Solche Begegnungen bleiben uns besonders in Erinnerung.
Auch am nächsten Tag wollen wir wegen des angekündigten Windes nur bis zur Mittagszeit radeln. Von der Strecke selbst gibt es nicht allzu viel zu berichten. Es geht immer geradeaus, wie so oft in Namibia. Die Landschaft zieht an uns vorbei, und irgendwann biegen wir bei einer Hunter Lodge ein.
Das Gelände ist liebevoll angelegt. Überall stehen Kakteen in allen möglichen Größen, von klein und unscheinbar bis riesengroß. Dazu gibt es eine geräumige Vogelvoliere, Gemüsegärten und einen Swimmingpool, der allerdings leer ist. Das Zelt ist schnell aufgebaut und damit steht unserem gemütlichen Nachmittag nichts mehr im Weg. Wir lungern herum, genießen die Ruhe und warten darauf, dass es Zeit fürs Abendessen wird.

Dabei lernen wir auch den Besitzer der Lodge kennen. Da hier ausschließlich Deutsch gesprochen wird, können wir jede Menge Fragen stellen. Besonders das Thema Jagd und die Abläufe auf einer solchen Lodge interessieren uns. Einige Antworten sind durchaus spannend und geben uns einen Einblick in eine Welt, mit der wir bisher nur wenig Berührung hatten.
Es regnet! Das ist in Namibia zwar nicht unbedingt alltäglich, kommt aber durchaus vor. Also lassen wir uns beim Frühstück Zeit und schlüpfen anschließend in unsere Regenklamotten. Kaum sitzen wir wieder auf den Rädern und haben die ersten Kilometer hinter uns, hört der Regen auf. Die Sonne kommt heraus und uns wird in der wasserdichten Kleidung schnell viel zu warm. Also heißt es wieder anhalten, Regenjacken ausziehen und alles verstauen. Manchmal könnte das Wetter ruhig ein bisschen besser mit uns zusammenarbeiten!
Rund 40 Kilometer vor Windhoek legen wir noch einmal eine Pause ein und mieten uns in einer Lodge ein. In den vergangenen Tagen haben wir einige Höhenmeter gesammelt, und das macht sich inzwischen auch bei den Temperaturen bemerkbar. Am Abend und besonders am nächsten Morgen ist es ungewohnt kühl. Wir merken deutlich, dass wir uns wieder in höheren Lagen befinden.
Am nächsten Morgen schlüpfen wir erneut in unsere Regenklamotten und nehmen die letzten Kilometer bis in die Hauptstadt Namibias in Angriff.

Windhoek liegt in einem hügeligen Becken auf etwa 1.625 bis 1.725 Metern Höhe. An den Rändern steigt das Gelände teilweise sogar auf rund 1.800 Meter an. Für uns bedeutet das vor allem eines: Es geht ordentlich auf und ab! Von einem gemütlichen Rollen in die Stadt kann jedenfalls keine Rede sein. Stattdessen sammeln wir noch einmal fleißig Höhenmeter, bevor wir unser Ziel erreichen.
Für die nächsten vier Tage mieten wir uns in einem schönen Apartment ein. Nach den vielen Nächten im Zelt freuen wir uns auf ein richtiges Bett, etwas Platz und die Möglichkeit, uns für ein paar Tage einzurichten.
Windhoek ist eine vergleichsweise kleine und überschaubare Hauptstadt. Was uns sofort auffällt, sind die vielen Hügel und der unverkennbar deutsche Einfluss. Immer wieder entdecken wir deutschsprachige Schilder, vertraute Begriffe oder Straßennamen, die uns schmunzeln lassen. Manchmal fühlt es sich fast ein bisschen an, als wären wir gar nicht so weit von zu Hause entfernt z.B. wenn ein Schild zum Gutenbergplatz weist :-). Nur das Klima und die Landschaft erinnern uns daran, dass wir uns mitten im südlichen Afrika befinden.

Die klassischen Sehenswürdigkeiten sind überschaubar und lassen sich recht schnell besichtigen. Ganz anders sieht es beim Einkaufen aus. Gefühlt gibt es an jeder dritten Straßenecke eine Mall. Und wenn man erst einmal drin ist, dauert es gerne etwas länger, bis man wieder draußen ist. Ihr kennt das ja aus eigener Erfahrung! Da wollten wir eigentlich nur schnell ein paar Kleinigkeiten besorgen, und plötzlich ist der halbe Nachmittag vorbei.
Natürlich nutzen wir die Tage nicht nur zum Einkaufen und Sightseeing. Wir gönnen uns am ersten Abend eine Flasche Sekt und stoßen auf unsere bereits erreichten 20.000 Kilometer an. Ein Meilenstein, der uns immer noch unglaublich vorkommt und den wir gebührend feiern wollen.
Außerdem treffen wir uns mit zwei Radfahrerinnen, mit denen wir Erfahrungen austauschen und natürlich ausgiebig plaudern. Auch Oskar sehen wir wieder, den wir bereits bei unserer ersten Einreise nach Namibia kennengelernt haben. Es ist schön, unterwegs bekannte Gesichter wiederzutreffen und festzustellen, wie sich unsere Wege immer wieder kreuzen.
Bei einer Stadttour zeigt uns ein ausgesprochen netter Guide Windhoek und erzählt uns jede Menge über die Stadt und ihre Geschichte. Am Ende der Tour sind wir uns allerdings nicht ganz sicher, wer eigentlich mehr davon hatte: Wir von seinen Erklärungen oder er von unseren Reisegeschichten. Gesprächsstoff gibt es jedenfalls reichlich!

Auch kulinarisch kommen wir auf unsere Kosten. Matthias schwingt sich in der Küche an den Herd und legt sogar einen leckeren Apfelkuchen in den Ofen. Währenddessen gönnt sich Katrin eine Massage. Nach den vielen Kilometern auf dem Rad ist das eine willkommene Gelegenheit, die müden Muskeln etwas verwöhnen zu lassen.

Wir genießen die paar Tage in Windhoek in vollen Zügen. Ein bisschen Stadtleben, nette Begegnungen, gutes Essen und Zeit zum Durchatmen tun richtig gut. Gleichzeitig wissen wir natürlich, dass unsere Reise weitergeht und die nächsten Kilometer schon auf uns warten.
Bald geht es wieder Richtung Süden. Unser großes Ziel, Kapstadt, rückt immer näher!
Zum Schluss haben wir noch eine kleine Rätselfrage: Auf dem Foto unten seht ihr einen Korb mit fladenähnlichen Teilen darin.

Was meint ihr, was das ist?
Wir sind gespannt auf eure Vermutungen! Schreibt uns gerne einen Kommentar. Mal sehen, wer auf die richtige Lösung kommt.
Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.




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