Ghana – Strände und Einblicke in die Geschichte des Sklavenhandels

Was für ein ungewöhnlicher Grenzübergang. Zuerst hätten wir fast die kleine Hütte für den Ausreisestempel aus der Elfenbeinküste übersehen. Dann standen wir plötzlich vor dem unübersehbaren Grenzstein, landeten kurz darauf im ersten Dorf und suchten erst einmal den Posten für die Einreise. Zum Glück fallen wir als „Blancos“ mit unseren Fahrrädern immer auf. Es dauerte nicht lange, bis uns die Uniformierten entdeckten und in ihre Hütte riefen. Nach einem kurzen, freundlichen Austausch hatten wir unsere Stempel und wollten gerade weiter, als wir auf zwei andere Radreisende trafen. Die beiden Australierer zogen neben ihren Fahrrädern auch noch einen Anhänger mit zwei Surfbrettern hinter sich her. Sie waren vor uns über die Grenze gekommen und hatten sich bereits um SIM-Karte und Geld gekümmert. Für den Abend verabredeten wir uns in einem Hotel. Den Abend verbrachten wir bei Bier und gemeinsamem Essen. Eine schöne Gelegenheit zum Austausch und entspannten Plaudern.

Mit dem Grenzübertritt wechselten wir wieder von Französisch zu Englisch und gleichzeitig von Baguette und Croissant zu Kastenweißbrot. 🙁

Unser nächstes Ziel waren zwei Radreisende, die wir bereits während einer Malaria-Erkrankung besucht hatten. Die beiden hatten uns zwischenzeitlich überholt, hingen nun aber wegen einer erneuten Erkrankung wieder fest. Leider bekamen wir in ihrer Lodge kein Zimmer, also ging es weiter Richtung Busua, ein kleines Dorf an der Küste und ein bekannter Surfspot.

Auch in Busua war die Unterkunftssuche zunächst nicht ganz einfach. Nach drei Versuchen entschieden wir uns schließlich für ein Beach Resort mit einer Hütte direkt am Strand. Ein traumhafter Ausblick wie aus dem Reiseprospekt erwartete uns, dazu ein toller Strand direkt vor der Tür. Endlich ein Ort, an dem wir ein paar Tage bleiben wollten.

 

Busua hatte aber noch mehr zu bieten. Am zweiten Tag buchten wir einen Surfkurs, um unsere in Marokko erlernten Fähigkeiten nicht ganz zu vergessen. Ein weiteres Highlight war das vegetarische Restaurant von Kaya. Dort gab es unglaublich leckeres, frisch gekochtes Essen und einen herzlichen Empfang durch die ganze Familie. Die Location war eher einfach, eine Bambushütte, aber das tat der Qualität der Speisen keinen Abbruch. Unser zweiter Surftag fiel leider dem einsetzenden, heftigen Regen zum Opfer.

Nach den erholsamen Tagen machten wir uns über Shama auf den Weg nach Cape Coast. In Elmina legten wir einen Zwischenstopp ein. Die Besichtigung des Elmina Castle war sehr beeindruckend. Zum einen ist es die erste europäische Festung südlich der Sahara, zum anderen spielte sie eine zentrale Rolle im transatlantischen Sklavenhandel. Dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist bis heute längst nicht ausreichend aufgearbeitet.

 

Auf dem Weg nach Cape Coast trafen wir zwei radfahrende Ghanaer, Vater und Tochter. Die beiden begleiteten uns kurzerhand bis zu unserer Unterkunft und wollten alles über unsere Ausrüstung und Fahrräder wissen. Zum Abschied schenkten sie uns zwei T-Shirts von ihrer Tour. Doch damit nicht genug. Am nächsten Morgen standen sie wieder vor unserer Tür und wollten noch mehr Details zur Optimierung und Einstellung ihrer Räder erfahren. 🙂

Nach dem Besuch des Cape Coast Castle inklusive Museum zur Geschichte des Sklavenhandels machten wir uns auf den Weg nach Accra. Das berüchtigte „Gate of No Return“ hat durch die Rückführung und Beisetzung der Überreste zweier Sklaven aus Übersee etwas von seiner ursprünglichen Bedeutung verloren.

 

Apropos Beisetzung. Ghana ist bekannt für seine außergewöhnlichen Särge. Einige davon konnten wir tatsächlich entdecken.

 

Der Weg nach Accra führte uns über Winneba. Viele Baustellen, viel Verkehr und noch mehr Staub machten die Strecke anstrengend. Teilweise konnten wir auf noch nicht freigegebenen Neubaustrecken fahren, was die Situation etwas entspannte. In Accra selbst fanden wir abgesehen vom Unabhängigkeitsdenkmal in Form eines Triumphbogens wenig Sehenswertes. Selbst die Strände waren weder gut zugänglich noch besonders einladend.

Von Accra ging es zunächst weiter durch Baustellen bis nach Kasseh. Dort verließen wir die Hauptstraße und fuhren nach Ada an die Küste beziehungsweise an das Ufer des Volta-Flusses. Es folgte eine wunderschöne Bootsfahrt durch das Volta-Delta und anschließend eine Strecke auf einem schmalen Landstreifen zwischen Lagune und Meer bis nach Keta. Dort mussten wir aufgrund ausgebuchter Hotels wegen der vielen christlichen Osterveranstaltungen mal wieder im Zelt übernachten. Manchmal wird man eben zu seinem Glück gezwungen. 🙂

Am nächsten Tag ging es weiter bis nach Aflao an die Grenze zu Togo. Der Grenzübertritt verlief diesmal leider nicht ganz reibungslos, aber dazu gibt es bald mehr im nächsten Beitrag.

Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert