Elfenbeinküste – Croissant und Pain au Chocolate
Der Grenzposten Liberia Elfenbeinküste bestand aus ein paar Hütten und war nicht sofort als solcher zu erkennen. Die Flagge der Elfenbeinküste neben der richtigen Hütte war in diesem Moment sehr hilfreich. Die Formalitäten waren schnell erledigt und wir hatten noch die letzten 30 Kilometer unserer Tagesetappe beziehungsweise die ersten 30 Kilometer im neunten Land auf dem afrikanischen Kontinent vor uns. Diese hatten es in sich. Eine Sandpiste mit tiefen Ausspülungen, dazu zahlreiche steile Anstiege und die Hitze. Erschöpft erreichten wir schließlich unser Tagesziel Danané.

Ab hier durften wir wieder eine asphaltierte Straße genießen. Trotzdem waren wir so schlapp, dass wir sogar eine Einladung eines Einheimischen, sein Zuhause zu besichtigen, ausschlugen. Wir erreichten Man in den frühen Abendstunden und machten uns erst einmal auf die Suche nach einem Geldautomaten. Hier trafen wir einen Traveller, der uns erzählte, dass es um die Ecke eine Boulangerie mit Pain au Chocolat gebe. Das war genau der Zündfunke, wir waren sofort wieder hellwach. Und wie lecker das war. Ihr könnt euch denken, dass unser Frühstück am nächsten Morgen entsprechend üppig ausfiel: Croissant, Pain au Chocolat, Kaffee und Joghurt. Wie sich im weiteren Verlauf der Reise herausstellte gab es in jeder größeren Ansiedlung eine Boulangerie – Patiserie und über unzureichende Kalorienversorgung mussten wir uns keine Sorgen mehr machen.
Zum Glück war es an diesem Tag bewölkt und mit gut gefüllten Mägen liefen die Reifen wieder rund. Zum Mittagessen besuchten wir zwei Radfahrende, die aufgrund einer Malariaerkrankung eine längere Pause einlegen mussten. Es tat uns allen gut, uns auszutauschen und einfach ein bisschen zu quatschen. Der Zieleinlauf nach Duékoué wurde von bizarren Gesteinsformationen flankiert, die ein bisschen an das Elbsandsteingebirge erinnerten.

Daloa, das nächste Etappenziel, lag weitere 105 Kilometer entfernt. Dort nahmen wir am nächsten Morgen ein Taxi und ließen uns aus der Stadt hinausfahren. Über verschiedene Kanäle hatten wir gehört, dass es hier wild lebende Affen geben soll. Nach einigem Nachfragen hielten wir an einer kleinen Ansiedlung und wurden sofort herzlich empfangen. Man erklärte uns, dass die Affen in einem heiligen Wald lebten und als wiedergeborene Vorfahren der hier lebenden Großfamilie gelten. Mit einem Prügel wurde auf ein Brett geschlagen, um die Tiere zu rufen. Wir mussten eine Weile warten, wurden dann aber belohnt und konnten die Affen sogar mit Bananenstücken füttern.


Zwischen den Häusern befanden sich zahlreiche Gräber, unter anderem das des Großvaters, der wohl über 50 Kinder gezeugt hatte. Nun wurde uns auch klar, warum am Straßenrand immer wieder Gräber zu sehen waren. Jede Familie hat ihr eigenes Territorium, einen zentralen Friedhof, wie wir ihn kennen, gibt es nicht.

Auf unserem Weg nach Bonon trafen wir noch einen sehr freundlichen entgegenkommenden Motorradfahrer, der uns einige SIM Karten für die kommenden Länder schenkte.
Schließlich erreichten wir Yamoussoukro, die Hauptstadt der Elfenbeinküste. Die Fahrt dorthin war vor allem von Hitze und vielen Hügeln geprägt. Die Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich schwieriger als gedacht, sodass wir am Ende in einem recht edlen Hotel eincheckten. Das Hotel lag etwas außerhalb. Das Kuriose war, dass man über unbefestigte Wege zum Eingang gelangte und direkt daneben eine einfache Hütte stand, in der gekocht, verkauft, gelebt und geschlafen wurde. Dieser Umstand begegnete uns des öfteren, meist dann wenn ein Neubau in eine bestehende Siedlung gesetzt wurde, Gentrifizierung auf ivorisch.

Yamoussoukro ist erst seit 1983 Hauptstadt. Der erste und mehr als 30 Jahre lange Präsident der Elfenbeinküste, Félix Houphouët-Boigny, wurde hier geboren, damals war es noch ein Dorf. Er ließ die imposante Basilika Notre Dame de la Paix errichten, die dem Petersdom nachempfunden ist, diesen jedoch in ihrer Größe sogar übertrifft. Natürlich haben wir die Basilika besucht. Ein sehr freundlicher Guide führte uns durch das Bauwerk. Wir waren fast allein, haben die Schönheit bewundert, uns aber gleichzeitig gefragt, ob ein solches Monument wirklich notwendig ist oder ob die Mittel nicht an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt gewesen wären.

Weitere Etappen führten uns durch die Städte Oumé, Divo und Grand Lahou. Unterwegs bestaunten wir die verschiedenen Stadien der Palmölproduktion, Kakaopflanzen und die Verarbeitung der Kakaobohnen, Avocados in großen Säcken für den Weitertransport sowie das Trocknen und Sortieren von Cashewkernen. Auch den Cashewapfel konnten wir endlich probieren. Und wie so oft waren es die vielen kleinen Begegnungen mit den freundlichen und offenen Menschen, die diese Tage besonders gemacht haben.

Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.




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