Liberia – feucht, tropisch, schön

Irgendwo hatte ich gelesen, dass in Liberia die Regenzeit eigentlich nie endet und genau so wurden wir auch empfangen. Kaum hatten wir die Brücke über den Grenzfluss überquert und standen am ersten Immigration Office, um uns registrieren zu lassen, ging es los. Den Einreisestempel konnten wir uns erst einmal nicht abholen, denn als wir aus der Hütte traten, schüttete es plötzlich wie aus Kübeln. Wir mussten noch über eine Stunde unter dem Vordach bleiben und das Ende des Schauers abwarten. Welcome to Liberia 🙂

Auch die Moto-Taxis sind hier sehr häufig mit Regenschirmen ausgestattet.

Dabei zeigte sich Liberia durchaus auch von seiner freundlichen und wunderschönen Seite. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit wirkte alles noch deutlich grüner und tropischer als im benachbarten Sierra Leone. Gleichzeitig wurde aber auch die größere Armut sichtbar. Es lag deutlich mehr Müll herum und stellenweise fühlten wir uns an Mauretanien erinnert.

An einem Abend bekamen wir die Gelegenheit, eine private „Klinik“ zu besichtigen. Die Besitzerin führte uns voller Stolz durch ihr Lebenswerk. Es gab mehrere Betten, ein kleines Labor und sogar einen Kreißsaal. Alles wirkte äußerst sauber und ordentlich. Offiziell wird in Liberia Englisch gesprochen, allerdings handelt es sich um liberianisches Englisch. Ein Slang mit vielen Einflüssen aus einheimischen Sprachen, der für uns extrem schwer zu verstehen war. Selbst einfache Dinge wie Preisangaben mussten wir oft mehrfach nachfragen. So konnten wir auch die Erklärungen zur Klinik leider nur teilweise verstehen.

Unsere Suche nach einem Restaurant führte dazu, dass uns kurzerhand eine Begleitung organisiert wurde. Dabei lag das Restaurant gerade einmal 300 Meter entfernt, einfach die Hauptstraße entlang. Trotzdem hätte man es allein wohl kaum gefunden. Vor Ort wurden wir dann von lauter Musik empfangen, denn das Restaurant war gleichzeitig auch die lokale Diskothek. Riesige Boxen sorgten für ordentlich Stimmung. Ohne unsere Begleitung wären wir vermutlich daran vorbeigelaufen.

Am nächsten Tag ging es weiter in die Hauptstadt Monrovia. Die Straße dorthin war teilweise in einem ziemlich schlechten Zustand. Immer wieder begegneten uns schwere Lastwagen, die meisten davon aus chinesischer Produktion, was uns stark an Guinea erinnerte. Offenbar wird in der Region Eisenerz abgebaut und transportiert. Monrovia selbst wirkt weitläufig und hat eine besondere Ausstrahlung. Viele öffentliche und staatliche Gebäude sind alt, groß und erzählen vom Glanz vergangener Zeiten. Liberia war einer der ersten unabhängigen Staaten Afrikas und galt nach dem Zweiten Weltkrieg als vergleichsweise fortschrittlich. Die Bürgerkriege haben davon viel zerstört, doch in Monrovia ist dieser frühere Anspruch noch immer spürbar.

Eine Besonderheit ist auch das Währungssystem. Es gibt sowohl den liberianischen Dollar als auch den US Dollar. Kleinere Beträge und Einkäufe auf der Straße bezahlt man meist in der Landeswährung, während größere Summen, etwa in Hotels, häufig in US Dollar verlangt werden. Selbst an Geldautomaten gibt es oft getrennte Geräte für beide Währungen. Es fühlt sich schon etwas merkwürdig an, mitten in Afrika am Automat US Dollar abzuheben.

Aufgrund der starken Regenfälle und der Berichte über sehr schlechte Straßen im Südosten entschieden wir uns gegen die Route entlang der Küste. Statt uns durch Schlamm und Morast zu kämpfen, nahmen wir lieber den Umweg über den Nordosten. Nach einem Ruhetag ging es weiter nach Kakata. Dort kamen wir in einem Guesthouse unter, das zu einer privaten Klinik gehört. Eigentlich ist es für Volontäre gedacht, wird aber auch gern an europäische Overlander vermietet. Die Besitzerin Chris hat eine spannende und beeindruckende Geschichte. Nach mehr als zwanzig Jahren Arbeit in der Sowjetunion und später teilweise auch in den USA kehrte sie nach Liberia zurück und gründete ihre eigene Klinik.

 

Die Landschaft veränderte sich zunehmend und wir fuhren durch riesige Kautschukplantagen. Kautschuk ist eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. Es war spannend zu beobachten, wie der Saft gewonnen und gesammelt wird. Der leicht säuerliche, gummiartige Geruch des frischen Kautschuks lag immer wieder in der Luft.

   

   

Und dann wäre da noch eine weitere Spezialität, die man unbedingt erwähnen muss: Ananas. An nahezu jeder Straßenecke werden reife, unglaublich süße Früchte verkauft. Mit den oft säuerlichen und geschmacklich eher enttäuschenden Exemplaren in Deutschland haben sie absolut nichts gemeinsam.

Über Ganta und Sanniquellie erreichten wir schließlich die Grenze zur Elfenbeinküste. Auch der letzte Tag in Liberia zeigte sich noch einmal von seiner nassen Seite. Zum Glück fanden wir gerade noch rechtzeitig einen Unterstand, bevor wir mit einem eineinhalbstündigen Schauer verabschiedet wurden.

Fazit: Unser kurzer Aufenthalt in Liberia hat uns ein spannendes Land mit sehr freundlichen Menschen gezeigt. Wir wären gerne noch länger geblieben, doch die einsetzende Regenzeit und die teilweise heftigen Schauer machten uns einen Strich durch die Rechnung.

Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Wenn du ein Bild anklickst, werden die einzelnen Aufnahmen größer dargestellt.

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