Die Einreise nach Guinea erfolgt, wie schon zuvor, per Flussüberquerung. Klingt romantisch, ist es aber nur bedingt: Das Boot ist sehr schmal, schwankt bedenklich und muss ständig von einfließendem Wasser befreit werden. Während wir uns fragen, ob das hier wirklich die beste Idee war, wird fleißig geschöpft.

Noch bevor wir überhaupt einsteigen, knöpft uns ein offensichtlich kreativer Beamter eine „Einfuhrpauschale“ für unsere Räder ab – neue Variante bei der Einreise. Da der Betrag überschaubar ist und noch einige Kilometer vor uns liegen, verzichten wir auf zeitraubende Diskussionen und zahlen zähneknirschend.

Der offizielle Teil der Einreise folgt ein paar Kilometer weiter. In einer Bambushütte mit Plastikplanendach bekommen wir unseren Einreisestempel, tauschen am zweiten Schreibtisch Geld und werden ausführlich über diverse Einfuhrverbote belehrt.

Nach einer sehr ruhigen Nacht auf einer Sanddeponie abseits der Straße rollen wir weiter Richtung Boké. Und wir haben Glück: Ab hier ist der Untergrund asphaltiert, ein kleines Geschenk nach den langen roten Pisten.

Spätestens ab Boké wird uns klar, wie präsent chinesische Unternehmen in Guinea sind und weshalb. Guinea verfügt über große Vorkommen von Bauxit, den primären Rohstoff für die Produktion von Aluminium. Das Land wirkt stellenweise wie eine einzige große Baustelle. Der Preis dafür: massiver Schwerlastverkehr. LKW reiht sich an LKW, dazu unzählige Tanklastzüge. Das bedeutet höchste Konzentration, vorausschauendes Fahren und starke Nerven. Es ist laut, eng, staubig oder mit anderen Worten anstrengend und gefährlich.

Schaut selbst:

Von Boké über Boffa bis nach Conakry übernachten wir zwischendurch wieder in der Natur. Am Abend entdecken wir eine alte, nicht mehr befahrene Straße, die sich bergan schlängelt und irgendwann einfach im Nichts endet. Ein perfekter Platz fürs Zelt dachten wir. Was wir nicht bedacht haben: der dunkle Asphalt speichert die Wärme und zwar gründlich. Tagsüber von der Sonne aufgeheizt, gibt der Boden am Abend diese zuverlässig wieder ab. Statt der ersehnten nächtlichen Abkühlung liegen wir plötzlich auf einer Art Fußbodenheizung ohne Ausschaltknopf und schwitzen, schwitzen, schwitzen …

Manchmal sind es eben die scheinbar perfekten Plätze, die ihre ganz eigenen Überraschungen bereithalten.

Die bereits geschilderten Verkehrsverhältnisse setzen uns irgendwann so zu, dass wir spontan einen Abstecher zu den Soumba-Wasserfällen einlegen. Dafür nehmen wir gerne wieder Sandpiste in Kauf und genießen jede Minute ohne LKW-Kolonnen und Dauerhupen. Das erfrischende Bad an den Wasserfällen wirkt Wunder. Abgekühlt und neu motiviert fühlen wir uns bereit für den letzten Streckenabschnitt nach Conakry.

Doch je näher wir der Hauptstadt kommen, desto dichter wird der Verkehr. Schließlich rollen wir von einer dicken Sand-Staub-Schicht überzogen in die Vororte ein und erreichen unseren geplanten Schlafplatz. Die Herberge selbst und vor allem ihre Lage überzeugen uns allerdings nicht. Also packen wir am nächsten Tag wieder zusammen und ziehen in ein Airbnb, etwa zehn Kilometer weiter stadteinwärts.

Hier noch ein kleiner Videoclip dazu:

Der Empfang ist herzlich, wenn auch etwas speziell. Die Hausdame kommuniziert ausschließlich über einen in eine Überwachungskamera integrierten Lautsprecher mit uns. Ein bisschen spooky ist das schon. Mohamed, der Hausmeister, erweist sich dagegen als wahrer Goldschatz: Er wäscht unsere Kleidung, bringt unsere Räder auf Hochglanz und sorgt dafür, dass wir die ursprüngliche Farbe unserer Schuhe wiedererkennen. Außerdem organisiert er uns ein Taxi in die Stadt.

   

Unser Ziel ist ein Laden mit europäischen Lebernsmitteln, in dem wir unsere Essensvorräte auffüllen wollen. Während der rund 30-minütigen Fahrt passieren wir immer wieder lebhafte Märkte voller Gewusel. Das Straßenbild ist geprägt von Müll, Staub und sichtbarer Armut. Und was die Verkehrsregeln betrifft … sagen wir es so: Welche Regeln eigentlich?

Eine Eigenheit der Einheimischen bringt uns dafür immer wieder zum Schmunzeln: Erstaunen oder Empörung werden hier mit einem kurzen, schrillen, hohen „Hä!“ ausgedrückt. Besonders bei männlichen Stimmen klingt das für unsere Ohren ungewohnt, aber auf eine extrem liebenswerte Art.

Nach zwei erholsamen Ruhetagen brechen wir wieder auf. Unser Ziel: das letzte Dorf in Guinea, direkt an der Grenze zu Sierra Leone. Sobald wir die weitläufigen Vororte von Conakry hinter uns gelassen haben, nimmt der Verkehr spürbar ab. Das große Graben hat den Osten des Landes noch nicht erreicht. Endlich können wir wieder ruhig und gleichmäßig Richtung Pamelap radeln.

Fazit: Auch wenn uns dieser Streckenabschnitt aufgrund des starken Verkehrs nicht besonders gefallen hat, waren wir sehr gern in Guinea. Die Kinder begrüßten uns überall mit einem fröhlichen „Botee“, und wir begegneten viel Herzlichkeit, Offenheit, Interesse und Hilfsbereitschaft. Unter den Guineerinnen und Guineern haben wir uns sehr wohlgefühlt.

Viel Spaß beim Anschauen der Fotogalerie. Hinweis: Einfach ein Bild der Galerie anklicken, dann erscheinen die einzelnen Bilder größer.

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