Am von uns genutzten Grenzübergang zwischen Guinea und Sierra Leone wurde die Anlage mit EU-Mitteln gebaut, die Büros beider Länder befinden sich sogar im selben Gebäude, ein krasser Gegensatz zu unseren bisherigen Erfahrungen. Auf guineischer Seite lief alles überraschend entspannt. Obwohl die bei der Einreise vorgeschriebene biometrische Erfassung fehlte, kam es zu keinerlei Diskussionen. Dies wurde einfach bei der Ausreise nachgeholt.
In Sierra Leone wurden wir freundlich von Grenzbeamtinnen empfangen und waren in weniger als 30 Minuten durch. Dazwischen noch schnell Geld gewechselt und zwei SIM-Karten organisiert, alles easy.

Was für ein Genuss! Die Straße ist relativ neu asphaltiert, Schwerlastverkehr oder viele PKWs? Fehlanzeige. Ab und zu überholt uns mal ein Moto, sonst gehört die Straße fast uns allein. Über Port Loko rollen wir Richtung Freetown. Und dann, kaum zu glauben, begegnen wir mal wieder einem Radfahrer. Die Welt ist klein: Jonas aus der Weststadt in Karlsruhe.

Freetown, die Hauptstadt Sierra Leones, liegt auf einer Halbinsel. Wir kommen von der gegenüberliegenden Seite an und müssen zunächst mit der Fähre übersetzen. Natürlich bekommt auch diese Fähre einen XCC-Aufkleber, diesmal selbst geklebt.

Kaum legen wir an, sind wir mittendrin: Hektik, Lärm, Großstadt. Freetown zieht sich über eine Hügelkette, und wir sammeln noch einige ordentliche Höhenmeter, bevor wir unsere Unterkunft erreichen. Schön ist anders. Im wahrsten Sinne des Wortes: ein Rattenloch.
Da wir hier gleich drei Visa beantragen wollen, bleiben wir ein paar Tage und gönnen uns zur Abwechslung ein Hotel nach europäischen Standards. Nach all den Strapazen fühlt sich das wie purer Luxus an.
Drei Visa bedeuten auch: drei Mal Gebühren zahlen. Bargeld zu bekommen ist in Sierra Leone allerdings eine kleine Herausforderung. Falls man überhaupt einen funktionierenden ATM findet, spuckt der umgerechnet maximal 30 Euro aus. Also nutzen wir MoneyGram und bekommen relativ problemlos Plastiktüten voller Geld, kein Witz. Zur Einordnung: Der größte Schein ist 20 Leone wert, umgerechnet etwa 0,72 Euro. Entsprechend dick fallen die Bündel aus.

Für Antrag und Abholung der Visa pendeln wir mehrfach zu Botschaften und Konsulaten natürlich mit Mototaxis. Abenteuerlich trifft es ganz gut. Katrin bleibt erstaunlich entspannt, Matthias weniger.
Da das Konsulat von Ghana kein Bargeld akzeptiert, dürfen wir nun auch noch lernen, wie eine Inlandsüberweisung auf der Bank funktioniert. Am Ende halten wir innerhalb von zwei Tagen die Visa für Liberia, die Elfenbeinküste und Ghana in den Händen. Mission erfüllt, weiter geht’s.
Wir umrunden die Halbinsel, passieren das wuselige Waterloo und biegen schließlich auf eine Nebenstraße ab, die uns zu einer ehemaligen Bahntrasse führen soll. Vor uns liegen rund 150 Kilometer unbefestigte Straße und vor allem: Ruhe.
A propos Ruhe, eine kleine Beobachtung am Rande. Viele kleine Shops entlang der Straße besitzen ein Mini-Megafon. Man kann offenbar einen Werbespruch aufnehmen, der dann in Dauerschleife läuft. Dieses quäkende Dauergeräusch aus billigen Lautsprechern, unfassbar, dass das niemanden stört.

Wir fahren noch einige Kilometer und schlagen unser Zelt am Rand eines Dorfes auf.
Die Strecke teilen wir in drei Abschnitte à 50 Kilometer. Der erste Abschnitt bis Moyamba ist anstrengend: viele kleine, fiese Anstiege und drückende Hitze. Umso größer die Freude über ein unglaublich nettes Guesthouse. Winfried organisiert kalte Getränke, hängt unsere Wäsche auf und begleitet uns per Mototaxi zum Abendessen. Zu viert auf so einem Gefährt, geht alles.
Ab Tag zwei wird es entspannter. Traumhafte Landschaften begleiten uns bis nach Mano. Abends sitzen wir auf dem Dach, verspeisen genüsslich eine Ananas und staunen über das satte Grün um uns herum.
Am dritten Tag verwandelt sich die Straße endgültig in einen Weg. Teilweise fahren wir Singletrails, meist relativ eben, durch abgelegene Dörfer, über zahllose Brücken (halten die uns wohl?). Ein fantastisches Fleckchen Erde.
Kurz vor Bo werden wir endlich kulinarisch fündig: Bohnen im Hühnerfüße-Sud. Die Bohnen? Lecker. Die Füße? Haben wir freundlich abgelehnt.
Ab Bo rollt es wieder auf Asphalt. Herrlich.
Wir frühstücken an einer stark frequentierten Kreuzung – es hupt, es trötet aus Megafonen, es ist laut. Und gleichzeitig unglaublich herzlich.
Eine Dame möchte beim Frühstück alles ganz genau wissen. Wir trinken Kokosnussmilch direkt aus der Nuss. Ein „strenger“ Soldat entpuppt sich als neugierig. Eine Rennradfahrerin macht begeistert Fotos. Ein Jugendlicher will unbedingt unseren Kilometerzähler. Jemand behauptet, kein Englisch zu sprechen – und spricht es dann perfekt. Es sind diese Begegnungen, die bleiben.

Am Abend campen wir wieder wild. Kleine Mücken leisten uns Gesellschaft – sehr aufdringlich.

Zum Glück weiß man vorher nicht immer, was einen erwartet. Sonst wären wir diese letzte Etappe in Sierra Leone vermutlich nicht gefahren. Es geht nur auf und ab, und wieder auf, und wieder ab, endlos.
Liberia, wir kommen.
Resümee: Unser Bild von Sierra Leone ist durchweg positiv. Die Menschen sind offen, interessiert und unglaublich angenehm. Den Ruf, das Land sei besonders gefährlich, können wir nicht bestätigen, wir haben uns jederzeit sicher gefühlt. Immer wieder wurden wir in Gesprächen auf die Geschichte und den Bürgerkrieg von 1991 bis 2002 angesprochen. Es ist erstaunlich und ehrlich gesagt auch ernüchternd, wie wenig in Europa über viele Ereignisse in Afrika bekannt ist.
Sierra Leone hat uns beeindruckt. Nicht laut, nicht spektakulär sondern menschlich. Und genau das bleibt.
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Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch Guinea – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir unterwegs waren.
Einreise: 05.02.2026
Ausreise: 14.02.2026
Kilometer: 466 km
Die Einreise nach Guinea erfolgt, wie schon zuvor, per Flussüberquerung. Klingt romantisch, ist es aber nur bedingt: Das Boot ist sehr schmal, schwankt bedenklich und muss ständig von einfließendem Wasser befreit werden. Während wir uns fragen, ob das hier wirklich die beste Idee war, wird fleißig geschöpft.

Noch bevor wir überhaupt einsteigen, knöpft uns ein offensichtlich kreativer Beamter eine „Einfuhrpauschale“ für unsere Räder ab – neue Variante bei der Einreise. Da der Betrag überschaubar ist und noch einige Kilometer vor uns liegen, verzichten wir auf zeitraubende Diskussionen und zahlen zähneknirschend.
Der offizielle Teil der Einreise folgt ein paar Kilometer weiter. In einer Bambushütte mit Plastikplanendach bekommen wir unseren Einreisestempel, tauschen am zweiten Schreibtisch Geld und werden ausführlich über diverse Einfuhrverbote belehrt.

Nach einer sehr ruhigen Nacht auf einer Sanddeponie abseits der Straße rollen wir weiter Richtung Boké. Und wir haben Glück: Ab hier ist der Untergrund asphaltiert, ein kleines Geschenk nach den langen roten Pisten.

Spätestens ab Boké wird uns klar, wie präsent chinesische Unternehmen in Guinea sind und weshalb. Guinea verfügt über große Vorkommen von Bauxit, den primären Rohstoff für die Produktion von Aluminium. Das Land wirkt stellenweise wie eine einzige große Baustelle. Der Preis dafür: massiver Schwerlastverkehr. LKW reiht sich an LKW, dazu unzählige Tanklastzüge. Das bedeutet höchste Konzentration, vorausschauendes Fahren und starke Nerven. Es ist laut, eng, staubig oder mit anderen Worten anstrengend und gefährlich.
Schaut selbst:
Von Boké über Boffa bis nach Conakry übernachten wir zwischendurch wieder in der Natur. Am Abend entdecken wir eine alte, nicht mehr befahrene Straße, die sich bergan schlängelt und irgendwann einfach im Nichts endet. Ein perfekter Platz fürs Zelt dachten wir. Was wir nicht bedacht haben: der dunkle Asphalt speichert die Wärme und zwar gründlich. Tagsüber von der Sonne aufgeheizt, gibt der Boden am Abend diese zuverlässig wieder ab. Statt der ersehnten nächtlichen Abkühlung liegen wir plötzlich auf einer Art Fußbodenheizung ohne Ausschaltknopf und schwitzen, schwitzen, schwitzen …

Manchmal sind es eben die scheinbar perfekten Plätze, die ihre ganz eigenen Überraschungen bereithalten.
Die bereits geschilderten Verkehrsverhältnisse setzen uns irgendwann so zu, dass wir spontan einen Abstecher zu den Soumba-Wasserfällen einlegen. Dafür nehmen wir gerne wieder Sandpiste in Kauf und genießen jede Minute ohne LKW-Kolonnen und Dauerhupen. Das erfrischende Bad an den Wasserfällen wirkt Wunder. Abgekühlt und neu motiviert fühlen wir uns bereit für den letzten Streckenabschnitt nach Conakry.

Doch je näher wir der Hauptstadt kommen, desto dichter wird der Verkehr. Schließlich rollen wir von einer dicken Sand-Staub-Schicht überzogen in die Vororte ein und erreichen unseren geplanten Schlafplatz. Die Herberge selbst und vor allem ihre Lage überzeugen uns allerdings nicht. Also packen wir am nächsten Tag wieder zusammen und ziehen in ein Airbnb, etwa zehn Kilometer weiter stadteinwärts.
Hier noch ein kleiner Videoclip diesmal mit Ton dazu:
Der Empfang ist herzlich, wenn auch etwas speziell. Die Hausdame kommuniziert ausschließlich über einen in eine Überwachungskamera integrierten Lautsprecher mit uns. Ein bisschen spooky ist das schon. Mohamed, der Hausmeister, erweist sich dagegen als wahrer Goldschatz: Er wäscht unsere Kleidung, bringt unsere Räder auf Hochglanz und sorgt dafür, dass wir die ursprüngliche Farbe unserer Schuhe wiedererkennen. Außerdem organisiert er uns ein Taxi in die Stadt.

Unser Ziel ist ein Laden mit europäischen Lebernsmitteln, in dem wir unsere Essensvorräte auffüllen wollen. Während der rund 30-minütigen Fahrt passieren wir immer wieder lebhafte Märkte voller Gewusel. Das Straßenbild ist geprägt von Müll, Staub und sichtbarer Armut. Und was die Verkehrsregeln betrifft … sagen wir es so: Welche Regeln eigentlich?
Eine Eigenheit der Einheimischen bringt uns dafür immer wieder zum Schmunzeln: Erstaunen oder Empörung werden hier mit einem kurzen, schrillen, hohen „Hä!“ ausgedrückt. Besonders bei männlichen Stimmen klingt das für unsere Ohren ungewohnt, aber auf eine extrem liebenswerte Art.

Nach zwei erholsamen Ruhetagen brechen wir wieder auf. Unser Ziel: das letzte Dorf in Guinea, direkt an der Grenze zu Sierra Leone. Sobald wir die weitläufigen Vororte von Conakry hinter uns gelassen haben, nimmt der Verkehr spürbar ab. Das große Graben hat den Osten des Landes noch nicht erreicht. Endlich können wir wieder ruhig und gleichmäßig Richtung Pamelap radeln.
Fazit: Auch wenn uns dieser Streckenabschnitt aufgrund des starken Verkehrs nicht besonders gefallen hat, waren wir sehr gern in Guinea. Die Kinder begrüßten uns überall mit einem fröhlichen „Botee“, und wir begegneten viel Herzlichkeit, Offenheit, Interesse und Hilfsbereitschaft. Unter den Guineerinnen und Guineern haben wir uns sehr wohlgefühlt.
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Nach einer gefühlten Ewigkeit ist heute endlich der Kilometerzähler auf die nächste Tausendermarke gesprungen. Der letzte Wechsel liegt schon über zwei Monate zurück – damals im Senegal. Seitdem ist unglaublich viel passiert. So viel, dass es sich manchmal fast unwirklich anfühlt. Und trotzdem sitzen wir jetzt wieder im Sattel. Wenn ich ehrlich bin, kann ich es manchmal immer noch nicht so richtig glauben.

Nachdem wir uns entschlossen hatten unsere Reise aus familiären Gründen Ende Dezember zu unterbrechen, standen wir plötzlich vor dem Problem eine geeignete Verpackung für unsere Räder zu finden. Neue Räder oder ein Radgeschäft gibt es in Guines-Bissau nicht und folglich auch keine klassischen Radkartons. Mit ein bisschen Hartnäckigkeit und Improvisation fanden wir eine Lösung und reisten mit einem halben Hausstand zurück: Ein Herd, eine Waschmaschine und eine Musikbox. Zumindest sah es so aus als wir am Flughafen ankamen und die Mitarbeitenden am Schalter leicht überfordert waren und zunächst der Chef gerufen werden musste. Schlussendlich klappte die Mitnahme und die Räder kamen tatsächlich unversehrt in Frankfurt an.



Dort erwartete uns dann der nächste Schock. Ein Temperatursturz von rund 30 Grad machte unmissverständlich klar, dass wir wieder in Europa waren. Wir haben es überlebt und konnten ein paar Tage später trotz Frostbeulen sogar im Nordschwarzwald am Mummelsee eine Runde langlaufen. Kontrastprogramm pur.

Exakt einen Monat später ging es zurück nach Bissau. Diesmal steckten die Räder in riesigen Kartons, so groß, dass wir ernsthaft daran zweifelten, ob sie überhaupt mitgenommen werden würden. Doch auch diese Sorge stellte sich als unbegründet heraus – zumindest bis zur Ankunft.

Denn dort wartete das nächste Abenteuer: Die Kartons passten schlicht nicht durch die Türen der Gepäckverladung. Nach einigem Hin und Her kam man zu einer ebenso pragmatischen wie ungewöhnlichen Lösung: Ich sollte über das Gepäckband in den Verladeraum klettern und den Transport der Kartons außen am Gebäude entlang begleiten.

So kam es, dass ich die Einreisekontrolle ein zweites Mal passierte – ohne Pass, dafür mit zwei riesigen Kartons im Schlepptau. Die Karton sahen etwas mitgenommen aus, aber der Inhalt war in Ordnung.
Back to Africa. 🙂


Hier ein kleiner Überblick über unsere Strecke durch Guinea-Bissau – damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir unterwegs waren.
1. Einreise: 17.12.2025
1. Ausreise: 29.12.2025
Kilometer: 200 km
2. Einreise: 29.01.2026
2. Ausreise: 05.02.2026
Kilometer: 224 km
Von Bissau aus nahmen wir die Fähre auf die andere Seite der Bucht nach Enxude. Wer bei Enxude an einen Ort denkt, liegt allerdings falsch, dort gibt es außer wartenden Taxifahrern schlicht nichts. Eine einfache Betonrampe, die Klappe geht auf, und alle Fahrzeuge und Menschen strömen aus der Fähre direkt in die wartenden Taxis, Motorräder […]
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